Interview: Orbital

Orbital sind die Headliner für das MTV Dance Event "London Calling - Never Mind the Bollocks" am Sonntag, den 2. August im Privilege. Wir konnten mit einer Hälfte des berühmten Duos sprechen, mit Phil Hartnoll.....

 

Ikonen der Dance Musik, Legenden, Pioniere - das sind nur einige der Beschreibungen, die regelmäßig für das Duo Orbital werden.

Vor seinem ersten Auftritt auf Ibiza nach über 10 Jahren sprach  Spotlight exklusiv mit Phil Hartnoll über die 20jährige Karriere von Orbital und den bevorstehenden Gig im Privilege.

 

Spotlight: Ihr spielt am 2. August für das Event 'London Calling - Never Mind the Bollocks' im Privilege - wie kam es zu diesem Auftritt? 

Man kam auf uns zu und fragte, ob wir Lust hätten, auf Ibiza zu spielen - und wir dachten, das wird ein Riesenspaß, denn wir sind eigentlich nie richtig auf der Insel gewesen und haben hier Party gemacht.

 

Ihr seid mitten in euer Tour zum 20jährigen Bestehen - wie ist die Show und wie läuft's mit der Tour? 

Super! Ich dachte schon, die Leute hätten genug von uns, aber bisher scheint das absolut nicht der Fall zu sein. Wir haben bisher ca. 9 Auftritte gehabt, meist auf Festivals und die liefen fantastisch. Die Basis der Show ist ein Set von unseren alten Hits, weil wir in letzter Zeit gar nichts Neues produziert haben. Aber letztes Jahr haben wir  The Big Chill gemacht und Paul und ich dachten, es wäre toll, wenn wir wieder richtige Auftritte machen könnten und so fing es alles wieder an.

In den ersten 4 Monaten dieses Jahres haben wir erstmal unser Equipment aktualisiert, wir haben einige wirklich abgefahrene Sachen in unser Set und die bekannten Songs mit eingebaut, aber es ist tatsächlich ein Set mit all unseren Hits.

Was genau habt ihr an neuen Technologien in euer Equipment eingebaut?

Wir haben sozusagen das zentrale Gehirn unseres Systems aktualisiert. Wir waren es gewohnt, mit diesen alten Sequencers zu arbteiten, die zu ihrer Zeit echt gut waren, aber die Technologie ist seitdem enorm fortgeschritten. Wir benutzen analoge Instrumente und nichts digitales mehr, die haben einen viel fetteren Sound und sind richtig gut. Wir haben also alles auf die Tasten gelegt - du drückst also go und nichts passiert, weil alle Instrumente auf individuellen Tasten liegen (siehe Bild unten vom Life-Set-up). 

Also gibst du die Hi-Hat an, die Snare, die Basstrommel... alle, wann immer du es willst, individuell. Einige sind als Samples auf unserm Computer und einige senden Mini-Messages an all das Equipment um uns herum und dann können wir den Sound manipulieren. 

Das ist ein wirklich flüssiger Weg, um elektronische Musik zu spielen, du kannst mit der Struktur des Songs improvisieren. Wir arbeiten eng mit dem Publikum zusammen, wenn denen ein Stück gefällt, kann man es länger spielen, oder weg- und wieder hinbringen. Wir haben außerdem einen Light-Designer und andere Mitarbeiter, insgesamt sind wir 12 Leute in unserem Produktionsteam.

 

Klar, eure Shows waren immer schon auch ein großes visuelles Erlebnis...

Ja, das ist mir sehr wichtig. Als wir angefangen haben, waren wir froh, wenn wir uns an der Seite eines DJs aufbauen durften, aber das Publikum wollte uns sehen und so haben uns die Promoter auf die Bühne geschoben. Und auf dieser riesigen Bühne denkst du dann: Hey, es gibt so viele tolle Video-Künstler, und ich liebe diese Performances, warum also nicht mit denen zusammenarbeiten.

Seitdem sind Video-Installationen Teil unserer Show und das Licht ist so wichtig für die Stimmung der Musik. Die Light-Jockeys müssen mit uns zur selben Zeit improvisieren, das braucht eine Menge Kreativität.

 

Abgesehen von den Jubiläumsshows dieses Jahres, gibt es irgendwelche Auftritte, auf die du besonders gerne zurückschaust, Glastonbury 1994 vielleicht?

Es gibt so viele davon, da könnte ich einige nennen. Glastonbury 94 ist definitiv so ein Moment und auch der Auftritt in der Royal Albert Hall (1996) - das war einfach mega, es fühlte sich einfach so frech an und die Saalordner verloren komplett die Kontrolle und es war eine Riesenparty - etwas, was dort nicht so oft passiert.

Zuletzt habt ihr 1999 auf Ibiza gespielt, richtig?

Wir haben für ein MTV-Event zusammen mit Faithless in einem Steinbruch gespielt, das war echt Klasse.


Aber du warst nie richtig auf Ibiza feiern? 

Nein, waren wir nicht, deshalb konnte ich der Versuchung diesmal auch nicht widerstehen. Wir fragten uns: Warum sind wir nie nach Ibiza gekommen? Aber es kostet auch jede Menge Geld, das viele Equipment auf die Insel zu bringen. Dieses Mal hatten wir Gott sei Dank Zeit für den Transport und das hat alles gut geklappt. 
 

Ihr tretet an der Seite von Darren Emerson, ehemals Mitglied bei Unterworld, auf, ein weiterer großer live Dance Music Act. Was denkt ihr, wie es mit Live-Auftritten in der Dance Musik in diesem Jahr aussieht? 

Ich glaube, Life-Autritte haben nach wie vor Platz in der Szene, aber es gibt noch viele Möglichkeiten für mehr Leute, das zu machen. Ich denke, es ist eine tolle Erweiterung der Club-Szene, in Richtung Festivals und richtige elektronische Bands.

       Darren Emerson

Für Leute, die Orbital noch nie gehört haben, wie würdest du euren Sound beschreiben?

Sehr Dancefloor beeinflusst, aber nicht unbedingt Dancefloor friendly, im Vergleich mit Techno sehr melodisch, sehr abwechslungsreich, mit vielen Höhen und Tiefen. 

Wird Orbital irgendwann in näherer Zukunft auch wieder neue Titel aufnehmen?

Man soll nie nie sagen, ich bin grad so gut drauf, ich bin in meinem Leben so glücklich wie noch nie und ich genieße es wirklich sehr, wieder mit Paul zu spielen.

Im ersten halben Jahr haben wir in die Zukunft geguckt, und da sind wir nun angekommen, da ist es leicht, in ein Loch zu fallen und sich zu fragen: Was machen wir als nächstes? - aber das bringt dich total raus aus der Gegenwart, also erinnere ich mich immer daran, das zu genießen, was wir grade machen und für den Moment zu leben!

Gehst du auch mal Clubben? Und wenn ja, wann und wo? Wo hast du zuletzt gefeiert und wen hast du getroffen? 

Meine Freundin Ursula und ich legen auch auf, das hab ich in letzter Zeit viel getan. Also bin ich arbeitsmäßig viel unterwegs in der Szene, wenn man das Spielen seiner Lieblingstitel als Arbeiten bezeichnen kann... Aber ich bin keiner dieser DJs, die 20 Min. vor ihrem Gig auftauchen und nach der letzen Platte sofort verschwinden. Zuletzt hat ich in London im Matter aufgelegt, zusammen mit Ladytron.

     Phil mit Freundin Miss U

Und zum Schluss, welche Künstler in der Dance Musik findest du momentan interessant?

Mehr die Live-acts und Bands, wie Fever Ray, die haben wir beim Sonar gesehen und die waren wirklich gut. Ansonsten sind es mehr einzelne Titel, die mir gefallen als ein Künstler oder Producer. 

Veröffentlicht 28 Jul, 2009. Grego

Tags: Ibiza FeatureIbiza Nachrichten

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