Interview: Joris Voorn

Tickets für We Love @ Space

Der fliegende Holländer hat letztes Jahr auf Ibiza große Wellen geschlagen und kommt dieses Jahr für 6 Auftritte bei der We Love zurück auf die Insel.

Vor 4 Monaten hatten wir euch schon in den Club News angekündigt, dass Joris Voorn dieses Jahr an 6 Terminen exklusiv für die We Love auflegen wird.

Wir sprachen mit ihm Anfang der Woche über den Partysommer 2010 auf Ibiza, Genres und seine CD Balance 014.

Spotlight: Du bist eigentlich schon seit einiger Zeit bekannt, insbesondere seit Titeln wie Missing und Incident, die 2004 jeden aufhorchen ließen, aber Ibiza scheint dich erst im letzten Jahr so richtig entdeckt zu haben.

Joris: Ja, stimmt, ich hab zwar schon 2007 auf Ibiza gespielt und hatte hier 2008 den ersten wirklich großen Gig, aber 2009 wurde es erst richtig groß. Und nun machte mir We Love das Angebot für dieses Jahr und hat mir eine Residenz gegeben, das freut mich riesig.

Was dachtest du vor deinem Kommen von Ibiza?

Ich dachte, hier wäre eine andere Stimmung als das, was ich machte. Ich glaubte, mein Sound würde hier nicht ankommen, dachte, Ibiza wäre sehr kommerziell, mit kommerziellen Partys, nur mit Big-Name-DJs.

Und was denkst du jetzt?

Es zählt, was ich mache, hier ist wirklich eine tolle Atmosphäre und es kann sehr wohl um die Musik gehen. Auch hat sich mein Sound ein wenig entwickelt und spricht jetzt ein größeres Publikum an, das macht auch einen Unterschied. Aber mir ist wirklich wichtig, dass es bei meinen Parties vor allen Dingen um die Musik geht und dass die Leute alles verstehen, was ich versuche zu tun.

Wie passt die We Love fit zu Joris Voorn?

Ich denke, das passt geradezu ideal. Das Line-up bei der We Love ist sehr breitgefächert, aber es geht bei allen um gute Musik, die Verantwortlichen verpflichenten keine Berühmtheiten nur aus kommerziellen Gründen, jeder einzelne Name auf den Flyern macht wirklich Sinn und steht dort für die Qualität der Musik. Und der Stil ist Techno, Tech-House und House, das passt wirklich perfekt zu meinem Sound.

Wirst du nur in der Discoteca auflegen?

Ich denke, ich werde hauptsächlich in der Discoteca auflegen, hoffe aber auch auf zwei Auftritte auf der Terrace.

Ich fand es letztes Jahr sehr lustig, als du Sweep The Floor spieltest und genau in dem Moment Carl Craig neben dir auftauchte - da musste ich natürlich sofort an Throw denken, den Titel, den er unter seinem Pseudonym Paperclip People, veröffentlicht hat. Throw war die Inspiration für for Sweep The Floor, oder?

(lacht) Ha! Hein, war es nicht, absolut nicht, und du bist der erste, der mich das fragt. Ich hab nie dran gedacht, bis mir jemand davon erzählte, aber ich hatte den Track absolut nicht im Kopf, als ich meinen machte. Klar, diese Art von Musik hat mich immer inspiriert, aber das war wirklich Zufall, beide Titel sind ist einfach ganz nackter, klarer House.

Sweep the Floor vs Throw. Coincidence? Entscheidet selbst......

Sweep the Floor 

Throw              

Wie läuft es im Studio, du planst grad eine neue Platte, oder?

Ja, das stimmt, aber im Moment habe ich so viele Remixe in der Pipeline und ich hab einen Titel für Goldfrapp angefangen, es kommen dauernd tolle neue Angebote rein.... Insofern wird die Arbeit an meinem Album immer wieder verschoben im Moment. 

Lass uns über Balance 014 sprechen, diese Platte hat praktisch alles auf den Kopf gestellt, was wir unter einer Compilation CD verstehen - du selber hast es so beschrieben: "Malen mit Musik"

Ja, so ungefähr. Ich habe in diesem Mix, kleine Stücke und Samples von Tracks genommen anstatt des ganzen Titels. Als ob ich hier eine Farbe nehmen würde und dort eine, alles miteinander vermischen und so passieren 7 oder 8 Dinge gleichzeitig, es entsteht tatsächlich ein neues Musikstück.

Es war ein großes Experiment, ich wollte was Neues ausprobieren, ausprobieren, was wozu passt und unkonventionelle Mixe machen - also nicht Techno mit Techno mixen, sondern House mit Disco und Disco mit Techno.... Alles kann gehen, das war die Idee.

Beispiel aus der Balance 014, Track 11 auf CD1

1-11.1 Sascha Funke - Mango (Berlin Calling Edit)
1-11.2 Paul Kalkbrenner - Moob
1-11.3 Sascha Funke - The Fortune Cookie Symphony
1-11.4 Goldie - Timeless 

Und ist es so geworden, wie du es dir vorgestellt hattest?

Nein, absolut nicht. Ich hatte keine richtige Vorstellung vom Endprodukt im Kopf, als ich angefangen habe. Obwohl ich schon eine normale Mix-CD machen wollte. Aber mir wurde mit der Trackliste, die ich bekam, langweilig, und so bin ich richtig tief ins Editieren eingestiegen - und erfand so diese neue Arbeitsweise.

War das Lizensieren nicht ein absoluter Alptraum?

Die Plattenfirma war wirklich toll und hat all die Arbeit gemacht, die Mitarbeiter haben sich nicht ein einziges Mal beschwert, selbst als ich ihnen 150 Titel zum lizensieren in die Hand drückte. Ein anderes Label hatte mich wahrscheinlich nach Hause geschickt, aber sie haben nichts gesagt und es einfach gemacht.

Wie würdest du jemandem, der absolut keine Ahnung über die Technologie hat, erklären, wie du live spielst?

Wenn ich live spiele, spiele ich nur von mir selber produzierte Titel, das ist der Wichtigste. Zur Vorbereitung zerlege ich alle Tracks in meinem Studio, in Bass Drum, Snare Drum, Hi-Hat, Bass Line, jedes einzelne Element wird herausgezogen und in ein Programm gepackt. Wenn ich dann live auf der Bühne stehe, mixe ich alles wieder zusammen. Das ist sehr vielseitig, so kann ich Dinge machen, die ich in einem DJ-Set nie machen könnte. Es ist also, als ob man die Titel komplett zerlegen würde, wie ein Auto, und dann  auf der Bühne die Einzelteile live wieder zusammenfügt.

Aber es ist immer deine eigene Musik?

Ja, immer. Es gibt eine Menge Loops und Samples, aber es geht darum, diese alle zusammenzumixen.

Spielst du mehr live oder legst du mehr auf?

Ich lege die meiste Zeit auf, Live-Gigs mache ich im Moment nur selten. Aber auch meine DJ-Sets sind heutzutage alle ein bisschen wie live, ich spiele immer mit einem Laptop und muss so kein Beat Matching mehr machen, das macht der Computer für mich, und ich kann so viel mehr experimentieren und machen, als das ein normaler DJ mit zwei Turntables oder zwei CD-Playern machen kann - es ist sozugagen das nächste Level an DJing.

Ich finde, es wird momentan unheimlich viel mittelmäßige Musik veröffentlicht. Findest du auch, dass viel zu viel durchschnittliche Musik herausgebracht wird und dadurch die wirklich guten Titel ein wenig untergehen?

Da bin ich absolut deiner Meinung, das Problem ist, dass jeder ein DJ sein will und alle denken, um aufzufallen, muss man selber produzieren. Das ist auch wahr, aber wenn du all diese mittelmäßigen Musik veröffentlichst, ist es ein wirklich langer Weg zum Erfolg und am Ende kommt man womöglich nie an. Der Grund ist also wahrscheinlich, dass so viele Leute Musik machen, die eigentlich nicht wissen, wie man Musik macht.

Was können wir dagegen tun?

Ich weiß nicht, ob ich darauf wirklich eine Antwort habe, aber ich denke, es sollte eine bessere Auswahl durch die großen Online-Shops geben, diese sollten lieber die gute Musik promoten anstatt einfach alles zu verkaufen, der Sound des letzten Monats war und was sich gut verkaufen lässt. Die Verantwortlichen dort sollten lieber ein Auge auf den Sound von morgen haben.

Wie findest du es, dass in der elektronischen Musik so viel über Genres und Sub-Genres gesprochen wird? Tust du das auch?

Ich habe meine Wurzeln in den 90ern und damals war das nicht so, insbesondere in den frühen 90ern gab es alle möglichen Musikrichtungen und die Leute würden einfach alles spielen, was immer eine sehr interessante musikalische Reise kreiert hat. Später teilte es sich in Trance, House, Techno, Progressive, Tech-House und alle möglichen anderen Richtungen. Ich spiele immer noch gerne ein bisschen von allem, vielleicht nicht so viel Trance und Progressive,  aber auf jeden Fall House, Tech-House und auch immer noch ein bisschen Minimal. Ich finde es nicht wirklich wichtig, aber für andere Leute ist es so vielleicht einfacher zu sagen, welchen Stil sie spielen. Und man braucht ein wenig Mut, um anders aufzulegen, mit verschiedenen Sounds und Tracks - und es ist auch nicht einfach, verschiedene Musikstile so zu mixen, dass es auch klingt.

Vielen Dank, Joris, viel Spaß bei der We Love.

Danke, wir sehen uns im Sommer!
 

JORIS VOORN bei der WE LOVE SPACE, sonntags im SPACE:

27. JUNE / 18. JULI / 8. AUGUST /29. AUGUST / 12. SEPTEMBER (live) / 26. SEPTEMBER

Tickets für We Love @ Space

Veröffentlicht 6 Mai, 2010. Grego O'Halloran

Tags: SpaceWe LoveIbiza FeatureIbiza NachrichtenInterview

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