Interview: The Juan MacLean

Tickets für We Love @ Space

Vor seinem anscheinend nun jährlich stattfindenden Auftritt bei der We Love diesen Sonntag sprachen wir mit dem Boss der DFA Records über DJ-Etikette, Pornomusik und Ibiza.

Spotlight: Wenn du irgendjemand wärst, der eine Mini-Biografie über The Juan MacLean schreiben soll, was müsste da auf jeden Fall mit rein?

The Juan MacLean: Nun, mit 19 wurde ich von Sub Pop Records mit meiner ersten Band Six Finger Satellite unter Vertrag genommen, mit der legten wir den Grundstein für diesen Disco-Punk-Sound, den wir später mit zur DFA rübernahmen, womit wir bei Teil zwei meiner Musikkarriere wären. Die DFA wurde 2000 gegründet, zu der Zeit hab ich mich ganz der Dancemusik verschrieben und fing an als Vollzeit-DJ. Die DFA ist ganz zentral für meine Identität als Künstler, so wie sie heute ist.

Six Finger Satellite

Die bist dieses Jahr wieder zurück bei der We Love im Space. Wie hast du einen Auftritt im letzten Jahr erlebt?

Ich muss sagen, vor dem Auftritt war ich so nervös wie nie zuvor...

Warum?

Es war für mich einfach die ultimative Location der Welt zum Auflegen. Es ist, als ob alle Wege dorthin führen. Die ganze Ibiza-Szene, aber für jemanden wie mich ist das Space ganz klar der Lieblingsclub, hier ist die Musikauswahl einfach ein bisschen mehr was für Musikliebhaber, und die We Love ist für mich die interessanste Nacht im Space. Wenn man das alles zusammen betrachtet, wie fantastisch der Club ist, solch eine Legende in der DJ-Welt, das alles summierte sich und ich fühlte mich wie vor dem wichtigsten Auftritt meiner gesamten DJ-Karriere.

Und wie hast du dich während und nach dem Set gefühlt?

Währenddessen lief es viel besser als ich erwartet hatte, ich hatte befürchtet, ich wäre vielleicht nicht kommerziell genug oder so. Aber es lief überraschenderweise sehr gut und ich habe das Gefühl, dass ich jetzt eher weiß, was mich erwartet.

Der letztjährige Auftritt im Space

Dieses Jahr ist es ein DJ-Set, nicht wahr?

Ja, ich spiele momentan gar nicht live.

Wenn du live spielst, kommst du nicht einfach nur mit einem Laptop und einer Tasche voller Platten, oder?

Nein, ich war immer ziemlich stolz darauf, dass weit und breit kein Laptop zu sehen ist und wir eine echte Liveband auf der Bühne haben, mit live gespieltem Schlagzeug, Synthesizern... Ich weiß nicht, ob du das weißt, aber unser Schlagzeuger ist im November gestorben, daher ist die Band momentan auf Eis gelegt.

Ja, es tat mir sehr leid, als ich davon erfuhr.

Jerry Fuchs RIP

Wie wichtig ist die Ibiza-Szene für amerikanische Künstler und Clubber?

Zuallererst muss ich dazu sagen, dass Amerika unglaublich lahm im Bereich der Dancemusik ist, sie hat dort einfach nicht die Bekanntheit wie in Europa. Die meisten Amerikaner haben noch nie was von Dance Music gehört. Für uns DJs ist es ein mythischer und legendärer Ort, auch weil wir nicht so den Zugang zu der Musik haben wie ihr hier. 

Du hast Disco-Punk vorhin schon erwähnt, aber immer wenn ich deine Musik höre - nun, nicht immer, aber bei einem Track wie beispielsweise The Simple Life (hört hier rein), hat sie für mich ein 70er Jahre Kojak/Porno-Feeling. Bist du ein großer Fan von Kojak und Pornos?

[Lacht] Tatsächlich, ich bin kein großer Pornofan, aber in einer Klasse, in der wir Filme studierten, sahen wir einmal einen 70er-Jahre-Porno und ich mochte die Musik total und kam auf die Idee, dass ich wirklich einen Porno-Soundtrack machen wollte. Veilleicht führt mich meine Karriere eines Tages dahin...

Deine Musik klingt fast wie futuristische Pornomusik...

Haha - ja, ich fand immer, dass diese Pornomusik was futuristisches hatte, also warum nicht?

Wo wir gerade dabei sind, ich frage immer alle, wieso wir momentan in der elektronischen Musik so viel von Genres reden, ob das überhaupt nötig ist, ob Genres wirklich so wichtig sind.

Das ist interessant, das war tatsächlich einer der Gründe, warum ich die DFA gegründet habe, Ende der 90er, es fühlte sich damals auch so an, als ob sich in der Dancemusik alles um Genres drehte. Es gab die Hauptrichtungen, dann die Untergenres von House und Techno und das war's und das war so anders als in den ersten Tagen der elektronischen Musik, ich fand das sehr langweilig. Ich denke, heutzutage hat man einen größeren Spielraum. Ich denke auch, je mehr die Musik von Drogen beeinflusst wird, umso spezifischer wird sie und um so weniger tolerieren die Leute jede Abweichung.

In nahezu jedem Interview mit dir werden irgendwann Roboter erwähnt - gibt es irgendeine Roboter-Verschwörung, mit der du uns Angst machen kannst?

[Lacht] Ich interessiere mich einfach total dafür. Die arbeiten momentan an diesen Chips, die eigentlich ein Reciever für Musik sind, was bedeutet, dass man keine Lautsprecher oder Kopfhörer mehr braucht. Ich wäre der erste, der sich so einen einpflanzen lassen würde. Man kann tatsächlich Musik vom iPod oder Handy übertragen, ohne dass man Kopfhörer dazu braucht.

Das klingt ziemlich unheimlich.

Ja, die meisten Leute finden das verrückt, aber ich mag die Idee.

Welche Musikinstrumente kannst du spielen?

Die Gitarre war mein erstes Instrument, jetzt spiele ich meist Keyboard - das habe ich aber nie richtig gelernt, wenn ich live spiele, habe ich die einzelnen Tasten mit Tape markiert, welche zu welchem Song gehören und in welcher Reihenfolge ich sie spielen muss.

Wen hast du als Teenager beim Luftgitarre spielen imitiert?

Damals waren Led Zeppelin und Black Sabbath schwer im Kommen, ich hab damals viel gekifft und zu deren Songs Gitarre spielen gelernt.

Juan und seine regelmäßige Sängerin Nancy Whang

Glaubst du, dass man einen musikalischen Background braucht, um gute elektronische Musik zu machen?

Ich fand immer, dass das grade der große Anreiz war, wie beim Punk Rock, dass man eigentlich kein Instrument beherrschen musste. Wenn man ein Talent dafür hat, tolle Musik zu hören oder zu kreieren, aber nicht weiß, wie man sie spielen soll, kann man doch elektronische Musik machen.

Ich überlege ernsthaft, einen Artikel über die viele mittelmäßige Musik zu schreiben, die veröffentlicht wird, unter dem Titel: “Stop releasing so much sh!t music”, was meinst du dazu?

Ich bin absolut deiner Meinung, ich denke, dass liegt zuallererst an der Technologie. Das ist ein großes Problem für DJs, es kommt so viel mittelmäßige Musik auf den Markt, ich glaube, das liegt daran, dass jeder auf seinem Laptop Musik machen kann und es muss heutzutage nicht mehr auf Vinyl gepresst werden, sondern kann im Internet über Beatport oder andere vertrieben werden. Da ich nur Vinylplatten spiele, hat ich das Problem nicht so, denn was als Platte veröffentlicht wird, ist doch meist besser als der Durchschnitt.

Da ist dann praktisch eine Qualitätskontrolle mit eingeschlossen?

Genau, dafür muss Geld investiert werden und die Plattenfirmen gucken genauer, was sie veröffentlichen. Ich hab außerdem meine Plattenläden, denen ich vertraue, wenn ich dahin gehe, vertraue ich auf deren Empfehlungen.

Plattenläden, die Presse und vielleicht sogar Beatport haben also deiner Meinung nach die Verantwortung, die Qualität der veröffentlichten Songs zu kontrollieren?

Allerdings! Ich denke nicht, dass man die Leute davon abhalten kann, all diese Musik zu produzieren. Ich glaube, es war Derrick Carter, der getwittert hat, dass Beatport jede Woche um die 20,000 neue MP3 veröffentlicht.

Macht das Angst?

Das ist schrecklich, eine Furcht erregende Anzahl.

Artwork ür das 2009-Album 'Future Will Come'

Bist du im Moment im Studio?

Bin ich, ja, ich mache eine Reihe von Kollaborationen für Singles, die erste mit Florian Miendl, kennst du ihn?

Er veröffentlicht bei Trapez, richtig?

Genau, der Techno-DJ aus Berlin, wirklich jung, wir machen eine Single zusammen. Und außerdem arbeite ich an einem neuen Album, das Ende des Jahres herauskommen soll.

Florian Meindl

Du hast diese Woche einen Podcast für uns gemacht, was bekommen wir da zu hören?

Es ist ein Schnappschuss mit vielen der besten Housetracks, die momentan auf dem Markt sind. Das tollste daran, was wir momentan in der House-Szene erleben, ist, dass viele originale House-Tracks ein Revival haben. 

Tickets für We Love @ Space

Veröffentlicht 9 Jul, 2010. Grego O'Halloran

Tags: We LoveIbiza FeatureIbiza NachrichtenInterview

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