Interview: We Love Resident Steve Lawler

Der legendäre Space-DJ, einst als König der Terrasse verehrt, im Spotlight-Interview.

Spotlight: Hi Steve, was hast du in letzter Zeit gemacht?

Steve Lawler: Anfang des Jahres war ich im Studio, um ein paar Remixe aufzunehmen, die bei mir in Auftrag gegeben worden waren. Seitdem habe ich Remixe für die Cocoon, für Be As One und für Slam gemacht, die schon veröffentlicht sind oder in den kommenden Monaten herauskommen. Außerdem habe ich an meiner neuen Single gearbeitet, auf der Roland Clark singt. Bis März war ich so hauptsächlich im Studio und seitdem war ich viel unterwegs, vor und bei der Miami Music Conference, in Nord- und Südamerika und in Europa.

Hast du ein Album geplant?

Ja, das plane ich eigentlich schon seit ein paar Jahren, es ist bloß unheimlich schwer, die Zeit zu finden, die du brauchst, um dich auf ein Album zu konzentrieren. Ich habe schon öfter versucht, das Projekt anzugehen, wurde dann aber durch eine Tour herausgerissen, und vier Wochen später ist den Kopf einfach nicht mehr dort, wo er vorher war. Ich müsste mich für mehrere Monate aus allem ausklinken. Mein Album wird nicht so sein, wie man mich normalerweise kennt - mit Dance Floor-Bomben, House oder Techno - es wird etwas ganz Reines werden, und dafür muss ich tief in mich hineingehen, weit weg von meinem normalen Alltag.

Diesen Sommer bist du mit der We Love zurück im Space. Hast du einen anderen Club oder eine andere Party bei der du dich so zu Hause fühlst wie sonntags im Space?

The End in London, aber das gibt es nicht mehr... Dort war ich 7 Jahre lang Resident, dort hatte ich auch dieses Heimatgefühl - man kennt den Raum richtig gut und man kennt viele der Leute, die hinkommen. Das macht einen Auftritt einfach völlig anders - und es gibt nur zwei Clubs, in denen ich dieses Gefühl hatte bzw. noch habe, The End und Space.

Die Line-ups der We Love scheinen jedes Jahr innovativer zu werden - es hat sich wirklich einiges getan seit den Zeiten vor 10 Jahren, as sich noch alles auf die großen Namen wie Tenaglia, Sasha, Carl Cox konzentrierte...

Ich kenne die Macher der We Love und ich weiß, wie sie hinsichtlich der Musik ticken, sie lieben die Musik. Mark Broadbent hat ein unglaublich breites Musikwissen, er hat einen wirklich guten Geschmack und je mehr Verantwortung er übertragen bekam, umso mehr hat er sich dafür eingesetzt, wirklich anspruchsvolle Auftritte in den Club zu bekommen.

Bei der We Love war das Wichtigste stets, eine tolle Party zu bieten, aber auch mit dem Anspruch, etwas auf die Insel zu bringen, was keine andere Party tut. Niemand hat jemals versucht, das zu toppen, was die We Love macht: verschiedene Musikgenres in 5 verschiedenen Areas in derselben Nacht. Ich persönlich finde, damit ist die Party absolut auf der Höhe der Zeit, und dabei haben sie immer sowohl einen Blick in die Vergangenheit als auch in die Zukunft geworfen. Was für fantastische Line-ups die We Love jeden Sommer bietet! Sie machen tolle Partys - aber bringen auch neue Musik auf die Insel, die niemand sonst herbringt.

Du wurdest im Laufe der Jahre mit einer ganzen Reihe von Genres in Vebindung gebracht,  besonders mit Tribal und Progressive - hast du versucht, diese Etiketten loszuwerden? 

Ja, denn ich habe es im Laufe meiner Karriere immer als Hindernis empfunden, wenn ich nur mit einer bestimmen Musik in Verbindung gebracht wurde - nicht, dass ich mich nicht als Teil davon gefühlt habe, aber wenn man zum Beispiel Progressive House nimmt, mit DJs wie Nick Warren, Sasha und Digweed, da habe ich nie dieselbe Musik oder dieselben Platten wie die Jungs gespielt. Mein Track auf der Bedrock war eine Vocal-Platte mit Stabs, er fiel nicht in das Genre Progressive House. Ich war zwar bei der Progressive House Agentur Excession  und hab mit Global Underground Compilations veröffentlicht, aber meiner Meinung nach sind Nu Breed und Lights Out kein Progressive House, ich wurde also mit einer Musik assoziiert, die ich gar nicht wirklich spielte.

So wurde ich zum Beispiel mal von einem Club gebucht, der wollte, dass ich progressive Monstertracks spielte - und ich legte House mit Drums auf und Techno, funky Sachen - und es kam nicht gut an. Ich fühlte mich in eine Ecke gestellt, in der ich nicht sein wollte. Aber im Lauf der Jahre verschwand das Gott sei Dank, denn die Leute kamen in die Clubs, um mich zu hören, und sie wussten, welche Musikrichtung ich auflegte, also löste sich das Problem von selbst - ja, aber es hat mich früher schon gestört.

Interessanterweise wurde der Percussive Sound in den letzten Jahren wieder beliebt, der Mannheim-Sound zum Beispiel, oder Tim Greens Lone Time, der Track war wirklich big dieses Jahr und hat total viel Percussion - und auch deine Platte Kalimba aus dem letzten Jahr hat eine ganze Menge Tribal in sich.

Ich glaube, dass ich einen wirklich einmaligen Stil habe, und das ohne Absicht, ich mag einfach Musik, die rund um den Rhythmus und Bass gebaut ist, Grooves und Housetempo, schöne 124/125 Basslinien und Rhythmen... das gefällt mir schon immer in der House Music. Es war nie dei Melodie, ich weiß nicht, warum, das ist einfach nicht mein Geschmack, und ich mag auch nichts zu lautes oder hartes oder Gitarrenriffs, ich mag einfach nur Grooves und Drums. Und aus dem hat sich mein ganz eigener Stil entwickelt - und die Drums waren eigentlich nie wirklich ganz weg, sie sind nur wieder beliebter geworden.

Der Underground Sound ist jetzt eigentlich das, was beliebt ist, wenn man den Erfolg der Cocoon oder Luciano im Pacha anguckt. Die Musik des Space ist verglichen mit vorher ziemlich Underground, und es sieht auch ganz danach aus, dass neue Promoter jetzt eher auf  qualitative Underground-Labels setzen als auf andere Genres. 

Absolut. Aber weißt du was, es geht immer im Kreis. Ich lege nun seit 17 Jahren professionell auf, ich hab schon 3 oder 4mal erlebt, wie sich der Kreis wieder geschlossen hat. Ich weiß noch, in den frühen 90ern war die Renaissance das, was heute die Cocoon ist, die Leute brauchen ihre Helden, und die Cocoon veranstaltet tolle Partys, die haben all meinen Respekt. Es ist egal, wieviel Marketing oder Mist da ist, die Wahrheit gewinnt letztendlich immer. Die Cocoon hat einfach gute Partys geschmissen und hatten damit Erfolg, so einfach ist das. Dasselbe gilt für das DC10, viele Leute verdanken dem Club ihre Karriere und dort wurden viele neue Musikrichtungen ausprobiert und entwickelt, die heute erfolgreich sind. Und die Leute haben das nicht gemacht, um groß zu werden, sie wollten einfach gute Partys machen - davor habe ich absoluten Respekt.

Ich fühle mich oft überfordert mit der Menge an Musik, die ich zugeschickt bekomme - wie gehst du mit den Massen an Platten um, die du zugeschickt bekommst oder die du anhören möchtest, wie organisierst du dich da?

Es ist ein wahrer Alptraum! Einer meiner Brüder arbeitet in meinem Büro, er lädt alles auf eine Harddrive, die er mir zweimal die Woche gibt, es sind ungefähr 500 Tracks, die ich pro Woche hören muss, dazu Promos und Demos für Viva. Ca. 500 Plattenlabel lassen wir dabei außen vor, die haben nicht die richtige Musik, das sagen wir denen dann auch.

Es gibt nur eine Person, die die Musik aussuchen kann, und das bin ich, das ist ein Job, den ich an keinen abgeben kann, und so verbringe ich 2 oder 3 Tage in der Woche damit, mir neue Musik anzuhören. Das ist einfach ein Teil meines Berufs.

Wie organisierst du die Musik für deine Sets?

Ich habe ein einfaches System, ich habe ein Fach für Platten, die ich vielleicht spiele und ein Fach für die, von denen ich begeistert bin und dann entscheide ich von da aus, ich lade die Tracks ins Programm Traktor und dann geht es los.

Was sind deine Pläne für den Rest des Jahres?

Ich bin bei einer Menge Festivals rund um die Welt mit dabei und ich freue mich auf die Viva-Musikevents, die wir planen. Wir haben eine Arena beim  Extrema Festival und in Rumänien, da freue ich mich sehr drauf. Ich freu mich insgesamt sehr auf den Sommer!

Veröffentlicht 1 Jul, 2010. Grego

Tags: Space, We Love, Feature, Interview

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