Wir machen weiter in unserer Serie über die Geschichte der Dance Music und kommen nach Hause auf unsere heiss geliebte Insel. Wir werfen einen Blick auf die Vergangenheit der grossen Ibiza-Clubs und legen los mit dem Ku.
Wer das Privilege schon mal zu einer der ganz großen Partys besucht hat, beispielsweise zur Manumission oder einer Supermartxe, der kann sich kaum vorstellen, dass eine solch monströse Nightlife-Destination ganz klein angefangen hat, mit einem simplen Pool und einem Restaurant...
Der Poolbereich des Ku in den 70ern, ein echtes Wahrzeichen des Clubs
Die Eingangstreppe ins Ku - steht auch heute noch am selben Ort
Der Pool vom Ku hatte damals sogar eine Rutsche...
...welche später in einen Drachen umfunktioniert wurde!
Während der 70er Jahre war dieser Ort ein ruhiger Fleck mitten auf dem Land und Lieblingsplatz für die Locals und ein paar wenige Insider rund um Sant Rafel. Keiner konnte sich damals vorstellen, was hier im Laufe der nächsten Jahre und Jahrzehnte abgehen würde. In vielerlei Hinsicht repräsentiert dieser heftige Kontrast zwischen "früher und heute" genau das klassische Szenario des Konfliktes zwischen vergangenen ibizenkischen Erinnerungen einerseits (welche Ibiza-Liebhaber suchen und teilen) und den Ereignissen und Neuerungen andererseits, welche die Zeit mit sich gebracht hat und schlussendlich auch dafür verantwortlich sind, warum wir heute hier sind.
Der Urknall in der Geschichte des Ku geschah am Ende der 70er, als der baskische Unternehmer und ehemalige Profi-Fussballer (beim spanischen Verein Real Sociedad) Jose Antonio Santamaría seine Idee von einem bereits bestehenden Ku in San Sebastian auf dem spanischen Festland auf die Insel brachte. Von da an gab es erste spontane Partys und was folgte, war eine Erfolgsgeschichte sondergleichen. Innerhalb weniger Jahre mauserte sich das Ku zu einem Mekka für Hedonismus, Haute Couture und Exzess und erlangte in den Achtziger Jahren Weltruhm. Für die Insider war das Ku der Nachfolger des Studio 54 in New York, das Anfang der 80er zumachte, und war fortan Tummelplatz der Reichen und Berühmten.
Zusammen mit Santamaría waren Brasilio de Oliviera (Gründer der La Troya) und Gorri die beiden kreativen Köpfe hinter den frühen Partys des Ku. Die Partykonzepte und -Mottos, welche noch heutzutage an den La Troya-Fiestas zu sehen und erleben sind, wurden in den 80ern im Ku geboren: White Full Moon, Babylonia, The Temple of Love, Hell und Prison. Dann gab es Partys, bei denen man die 4 Elemente zelebrierte oder die 4 Jahreszeiten und wieder andere, bei welchen simpel ein bestimmtes Körperteil als Motto diente oder ein inspirierender Ort wie Goa oder Afrika. Im Ku gab's auch Kinderfeten - "Somos Como Niños" (Wir sind wie Kinder); auch dieses Motto benutzte Brasilio später für seine La Troya Partys.
Santamaria (ganz in grün) und Brasilio (ganz rechts)
Brasilio ganz rechts und Gorri in der Mitte, die treibende Kraft hinter dem Ku der 80er (der Typ mit dem Schnurrbart ist bekannt als Faruk)
Somos Como Niños Party
Ein ganz normaler Tag in der wundervollen Welt des Ku
Während der 80er wurde das Ku förmlich überfallen von Fashionistas und Popstars. Alles was Rang und Namen hatte, feierte hier; von Stars wie Roman Polanski, Grace Jones und Freddy Mercury zu Designern wie Valentino, Moschino und Gaultier. Der Pool und die Kneipe waren inzwischen zu einer richtigen Disco herangewachsen und viele Bars verteilten sich auf dem Gelände, von denen viele auch heute noch an demselben Platz stehen, wie beispielsweise die im Coco Loco und die im Garten. Die großen weissen Verstrebungen, welche damals die Bedachung hielten (siehe Fotos unten), sind auch heute noch Teil der Struktur des Clubs; am besten sieht man dies im Restaurant, im Coco Loco und in der La Vaca.
Roman Polanski im Ku, Anno 1984
Die pyramidenähnliche Konstruktion (rechts hinten), welche den als "La Vaca" bekannten Teil bedeckt
Die Pyramide im Bau
Luftaufnahme - im Comicstil bearbeitet - des Ku mit der großen Open Air Zone und der zeltähnlichen Überdachung. Der Grundriss des Clubs ist heute praktisch derselbe.
Während der Nachbarclub Amnesia vor allem dank der Musik, im speziellen den Sets von DJ Alfredo und der Abenteuer der Londoner Jungs (Paul Oakenfold, Danny Rampling usw.) Berühmtheit erlangte, war's beim Ku immer der Club selbst, der die Massen anzog. Die schiere Grösse - ob mit Dach oder ohne - machte und macht das Ku zu einem einzigartigen Erlebnis. Es kombiniert das labyrinthartige Layout und die versteckten Ecken des Pacha mit dem dekadenten und botanischen Gefühl des Es Paradis. In der Blütezeit des Ku konnte nicht mal das Pacha mithalten mit der Kraft, mit welcher der Club die Celebrities anzog. Unvergessen: Freddie Mercury und Montserrat Caballe filmten hier 1987 das berühmte Video zu ihrer Hymne 'Barcelona'.
Der Anfang vom Ende kam in den auslaufenden 80er Jahren, gerade als die Dance Music Szene in Grossbritannien und anderen Teilen Europas explodierte. Um die Lärmemissionen zu senken, war das Ku von den Behörden gezwungen worden, den Club fix zu überdachen. Santamaría und seine Komparsen brachen unter den Kosten für dieses Vorhaben zusammen, insbesondere, als das erste Dach 1990 einbrach. Santamaría wurde anschließend beschuldigt, in einen großen Drogenfall verstrickt zu sein. Und auch wenn er schlussendlich nie für schuldig befunden wurde, geriet er immer weiter in einen Strudel von Intrigen. Seine politischen Verbindungen, kombiniert mit seinem früheren Ruhm als Fußballer und bekannter Businessman machten ihn zu einer Zielscheibe für die ETA und im Jahre 1992 wurde er in seiner baskischen Heimatstadt San Sebastian ermordet.
Das Ku - von nun an bedacht - hatte anfangs der Neunziger Jahre keine leichte Zeit. Alles, was das Ku einzigartig gemacht hatte, verschwand langsam und die Revolution der elektronischen Tanzmusik schritt rasch voran. Ironischerweise entwickelten sich aber einige der Dinge, die damals das Ende für das Ku bedeuteten, gleichzeitig zu den Wiedererkennungssymbolen des neuen, wiedererwachten Clubs, allen voran die riesigen Ventilatoren an der Rückwand des Gebäudes.
Die Installation der Ventilatoren, Ku 1990
Umbau des Ku 1990
Anfangs der 90er landeten die britischen Partyveranstalter auf Ibiza und bis Mitte des Jahrzehnts hatten sie die Insel fest in der Hand. Das Ku war einer der Lieblingsclubs der Promoter: Manumission (bestbekannt seit 1994) war im Ku daheim und auch Cream veranstaltete hier viele ihrer frühen Partys. Bis 1995 hiess der Club noch Ku, erst dann wurde er vom neuen Besitzer Jose María Etxaniz in Privilege umbenannt.
Doch auch unter den neuen Voraussetzungen (neuer Name und keine Open Air Venue mehr) rockte das Privilege in den Neunzigern gehörig. Der größte Erfolgsfaktor dieser Zeit war ganz klar die Manumission. Nie war das Privilege voller als bei den Manumission Partys Ende der 90er. Das ursprüngliche Ku-Feeling war weg, aber die Exzesse und der Hedonismus waren noch da; jetzt in Form der berüchtigten Sex-Shows und der bizarren Produktionen mit wilden Kostümen und anrüchigen Themen. Nun war es Fatboy Slim, der in der Toilette auflegte - und natürlich die Tatsache, dass es überhaupt einen eigenen Toiletten-DJ gab! Es waren die verrückten Szenen im Coco Loco bis 9 oder 10 Uhr morgens. Und in diesen Morgenstunden mag es zwar ein Dach über dem Club gehabt haben, aber als die Sonne durch die riesigen Fensterscheiben reinschien, erst ins Coco Loco und dann in den Main Room, Mann, dann war der Spirit vom Ku wieder voll da!
Was seither geschah, ist zu frisch für uns, um die Geschichte weiterzuführen. Ein riesige Leinwand für Projektionen hat die großen Fenster auf der Rückseite des Main Rooms, durch die morgens die Sonne reinschien, ersetzt und manchmal ist die Sonne noch gar nicht aufgegangen, wenn heutzutage der Club schließt. Die historischen Fußstapfen vom Ku sind überall zu finden im Privlige: Das ursprüngliche Layout, der Garten und das Coco Loco, der Pool (welcher unter Wasser immer noch den Schriftzug Ku trägt) und, vielleicht am wichtigsten, die Statue des Ku - des antiken hawaiianischen Gottes - dessen Präsenz nach wie vor über die bewegte Geschichte des Clubs wacht.
Die Manumission katapultierte das Ku in andere Sphären
Der Gott Ku 1983 (mit der Drachen-Wasserrutsche im Hintergrund)
Der Gott Ku heute (mal sehen, ob ihr ihn im Club findet!)
Nach all den geschriebenen Worten könnt ihr euch hier jetzt dieses Video anschauen, in dem Brasilio von der Magie dieses einzigartigen Clubs erzählt, während er im Ku sitzt...
Das heutige Privilege mit dem gigantischen Dach - die Pyramide ganz rechts ist auch noch da!
Facebook Gruppe - Have you ever been to Ku (viele Fotos)
Facebook Grupe - Ku 1978-1990 - The Best Years (tonnenweise Fotos und Flyers)
Videos vom Ku/Privilege über die Jahre:
A Short Film About Chilling (Englische Doku aus dem Jahre 1990)
Veröffentlicht 15 Feb, 2011. Grego O'Halloran
Thanks to The Facebook sites for their amazing photo archives.!
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