Drei intensive Tage gefüllt mit Plenumsdiskussionen, Debatten und Interviews mit den führenden Köpfen der Industrie - hier ist unser Rückblick auf den International Music Summit.
IMS Tag eins
Der erste Tag des IMS ging im luxuriösen Gran Hotel los und zog eine bunte Schar an, bestehend aus vielen bekannten Gesichtern aus der EDM-Szene, DJs sowie vielen Leuten aus der Presse und dem Management von DJs und Acts. Über die ganzen drei Tage verteilt wurden während des IMS interessante Themen wie etwa Social Media und Music Branding beleuchtet, viele DJs interviewt und auch Erfolgsstorys aus der Industrie präsentiert.
Nach der Einführungsrede der Partner der IMS präsentierte man mittels des jährlichen "Business Report" den aktuellen Umsatz der Dance Music Industrie und die Schätzung betrug stolze vier Milliarden Dollar jährlich. Gleich danach folgte das Resultat einer Umfrage über Musikpiraterie, welche von Data Transmission durchgeführt worden war. Die 60 % der befragten Konsumenten, die Musikpiraterie eingestehen, sind die grosse Herausforderung der Zukunft, denn mittlerweile spürt eine grosse Mehrheit der Industrie den negativen Effekt aufs Business. Aber es gab auch positive Stimmen zu diesem Thema: Matthew Adell von Beatport lieferte eine inspirierende Rede ab und motivierte die Zuhörer, optimistisch zu sein. Die Clubbing Industrie boome regelrecht und durch ein gestiegenes Interesse aus dem Mainstream werde die Dance Music Szene weltweit einen noch nie dagewesenen Wichtigkeitslevel erreichen.
Interviewt wurde unter anderem Paul Kalkbrenner, der Produzent und DJ aus Berlin, der bereits eine lange Karriere hinter sich hat und seit einigen Jahren quer durch Europa auf einer Erfolgswelle reitet. Seinen ersten Auftritt auf Ibiza überhaupt wird er bei der diesjährigen Amnesia-Openingparty feiern. Er brachte einige sehr interessante Statements über die kreative Verflechtung aus der Sicht eines Solo-Artisten. Er führt sein eigenes Label und behauptet, absichtlich nicht in Arbeiten von anderen Künstlern reinzuhören, um Einflüsse von aussen zu vermeiden. Stille sei die beste Inspiration. Später führte Grego O’Halloran von Spotlight höchstpersönlich durch eine Diskussion mit Damian Lazarus, dem Boss des Labels Crosstown Rebels und Jamie Jones, der auch bei selbem Label unter Vertrag steht. In diesem Gespräch ging es einerseits um die Rolle, die Ibiza beim Durchbruch eines neuen Tracks spielt und um die gesamte Strategie bezüglich des Releases dahinter, und andererseits um die Veränderungen der Szene in Miami. Die Anwesenden wurden auch mit einem Ausblick auf die nächste Party aus der "Rebel Rave"-Serie beglückt und bekamen einige Highlights der letzten "Get Lost" Party zu sehen, welche im Vorfeld grosse Wellen geworfen hatte.
IMS Tag zwei
Einige Gesichter waren am zweiten Tag bereits etwas müde nach den Partys, welche in der Nacht zuvor stattgefunden hatten: Riva Starr hatte im Grial aufgelegt und drüben im Pacha hatte die erste IMS Openingparty überhaupt stattgefunden. Die Headliner dort waren Jamie Jones und Damian Lazarus und beide hatten viele Tracks Ihres Labels Crosstown Rebels präsentiert, darunter natürlich auch solche vom "Man of the Moment" Maceo Plex. Höhepunkt der Nacht war aber der Dyed Soundorom Remix von Maya Jane Coles "What They Say".
Das Gespräch des Tages war ein sehr aufschlussreiches Interview mit dem Head of Music bei BBC Radio 1, George Ergatoudis. Er erklärte, wie sie die Playlists für die einzelnen Sendungen zusammenstellen, die dann von den DJs präsentiert werden und wie essentiell wichtig diese Sendungen sind, um neue Tracks zu pushen. Ergatoudis erwähnte eine Vielzahl von Acts aus Grossbritannien, die den globalen Durchbruch dank der Rückendeckung des Senders geschafft haben. Auch Pete Tongs wichtige Rolle als Brückenbauer zur jüngeren Zuhörerschaft der Radiostation wurde aufgezeigt. Mit seinen Kontakten und Empfehlungen trage er immer viel zum Erfolg der Dance-Sendungen bei. Auch wenn seine Lieblingsmusik eine eklektische Note hat, so schwelgte er leidenschaftlich in seinen Erinnerungen an die EDM Szene in Leeds, wo er als Jugendlicher im Warehouse abtanzte.
Am selben Tag trat Richie Hawtin gleich zweimal auf: Erst präsentierte er die neue Audiotool Software für Prodzuenten von Burn Studios und dann interviewte er den Mann, der ihn als Plastikman unter Vertrag genommen hatte, Daniel Miller - Gründer des einflussreichen Labels Mute Records. Am Nachmittag enthüllte Sasha den offiziellen IMS-Track und die Luxus-Hotelgruppe W Hotels präsentierte ihre Vision von einem einzigartigen Erlebnis für Gäste, bei dem die Musik im Mittelpunkt steht und dass Tools wie Livekonzerte, exklusive Downloads mittels iPhone-Apps und Burn Studios DJ-Labs mit einschliesst.
IMS Tag drei
Der letzte Tag des IMS war insbesondere für die Marketingleute sehr interessant. In einer Plenumsdiskussion mit den Marketingmanagern der Giganten-Marken Coca-Cola, O2 und Nokia ging es um die Beziehung zwischen Marken und Bands. Sponsoring als solches ist offenbar nicht mehr so wünschenswert und die drei Marken fokussieren sich nun auf Partnerschaften innerhalb der Musikindustrie. Ein erster Schritt ist zum Beispiel das Priority Event Ticketing für O2-Kunden, um diesen einen noch besseren Zugang zur Musik zu bieten. In dieser Richtung gibt es nun weitere Entwicklungen: Die O2-Academies unterstützen neue Musiktalente und Coca-Cola haben sich mit Burn Studios zusammengetan, wodurch ihre Kunden Musik kreieren und verbreiten können.
Eine erfahrene Gruppe von Social Media-Cracks und Nutzern gab in einer anderen Runde Tipps und tauschte Erfahrungen über ihr Spezialgebiet aus. Dubfires Tipp nach einer bedauerlichen Erfahrung war "Don't drink and Tweet!". Eine andere interessante Meinung war, dass Facebook und Twitter zwar die Interaktion zwischen Fans und Künstlern vereinfache und erhöhe, die Gefahr jedoch bestehe, etwas von seinem Zauber zu verlieren, wenn man zu viel von sich preisgibt. Nach der Präsentation des IMS-Tracks von Sasha am Vortag waren am dritten Konferenztag Layo & Bushwacka an der Reihe und erklärten ausführlich, wie sie den Track remixten und ihm so einen "techigeren" Sound gaben. Leider konnte Luciano beim abschliessenden Interview nicht dabeisein, aber der Tag endete auch so in einer angeregten Diskussion darüber, was denn alles so für Ibizas Vibes verantwortlich ist.
Veröffentlicht 30 Mai, 2011. Henri Hutchon - (Photos - James Chapman)
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