Interview mit Layo & Bushwacka

Wir sprachen mit Layo & Bushwacka über die Kommerzialisierung in der Dance Music, ihre Residency im Amnesia bei der I Want My MTV und mehr. Weiterlesen, Leute.

Layo Paskin und Matthew Benjamin (Bushwacka) trafen sich, als die Geschichte des berühmten Londoner Clubs The End (mit Mr C und Benjamin als Teilhaber) 1995 begann. Seither hat das Duo als Layo und Bushwacka eine extrem produktive Arbeitsbeziehung. James Chapman von Spotlight tauchte ein in ihre Welt und sprach mit den beiden über das The End, ihre Musik, ihr Plattenlabel und ihre Zukunft.

Ihr hostet den Main Room im Amnesia bei der Freitagnachtparty "I Want My MTV Ibiza". Erklärt uns das Konzept hinter dem Programm. Habt ihr das Sagen, wer dort auflegt?

"Nun, ich (Layo) habe alle Bookings für den Main Room gemacht. Das Hauptproblem war, dass wir erst Ende März grünes Licht dafür erhalten haben und natürlich hatten damals schon viele Clubs einige der besten Künstler als Residents gebucht. Dann haben wir unsere Ideen eingebracht, wen wir als geeignet empfinden; als Act allgemein und in Ibiza im speziellen. Daraufhin haben dann die Leute vom Amnesia ihr Verdikt dazu gegeben, wie die Acts auf Ibiza angesehen werden...es war nicht ganz einfach, doch schlussendlich schafften wir es und für die erste Saison wurde daraus ein richtig gutes Line-Up."  

War das Amnesia immer das Lokal, mit dem ihr zusammenarbeiten wolltet und dort jeden Freitag euren eigenen Dancefloor hosten?

"Das Amnesia ist ein fantastischer Club. Wenn ich im Club herumlaufe bevor er öffnet, bin ich immer total beeindruckt. Alles läuft prima, wenn der Laden rockt. Es ist echt toll, dort Resident zu sein, keine Frage! Das einzige Problem mit dem Freitag ist, dass wir oftmals direkt danach ohne Schlaf abreisen müssen, weil wir am Samstag sonstwo spielen!"

Es gibt auf der Insel inzwischen einige Partys, bei denen man versucht, Live-Musik und Dance Music zusammenzubringen; MTV und Come Together im Besonderen. Denkt ihr, die Idee funktioniert?

"Ich glaube, dass es fantastisch ist, wenn die Balance zwischen den DJs und den Live-Acts im selben Raum funktioniert. Und wenn das passt und die Harmonie zu unserem Raum auch stimmt, dann ist es wirklich der Hammer! Die besten Partys waren für mich bisher die mit 2 Many DJs live, Plastikman live und Mark Ronson. Auch mit Snoop war es toll, doch da waren es halt zwei komplett verschiedene Partys in den beiden Räumen."

Ihr beide seid ja nun schon eine Weile dabei. Wie hat sich euer eigener Sound und der, den ihr in euren Sets spielt, über die Jahre weiterentwickelt?

"Nun natürlich werden wir ständig aufs Neue inspiriert und finden Gefallen an verschiedenen Dingen, so wie sich die Szene auch ständig weiterbewegt, doch unsere Konstanten sind Energie, Tiefe und Emotion...Musik, die House im Gefühl hat, Techno als Gesinnung und Tribal im Rhythmus."

Ihr habt den Track "Love Story" rausgebracht und damit grossen Erfolg gehabt. Viele Puristen sehen es jedoch als verpönt an, Tracks zu releasen, die es bis in die Charts schaffen und finden, damit werde die Szene zu kommerziell. Seid ihr mit dieser Meinung einverstanden oder denkt ihr, dass dies zwischendurch notwendig ist?

"Wir sind bei XL unter Vertrag und sind damit beim coolsten unabhängigen und dennoch erfolgreichen Label, das es gibt. Schau, wenn du Radiohead, The White Stripes, Prodigy, Basement Jaxx, Dizzee (Rascal) und so weiter als Labelkollegen hast, kannst du nicht einfach von einem "Sell Out" sprechen. Es gibt jedoch ein grosses aber; wir haben immer Musik gemacht mit einer grossen Bandbreite innerhalb der elektronischen Welt, von ganz gechillten Sachen über Breakbeat zu House und Techno. Wir haben nie nur einen Stil produziert und als die Szene sich in Richtung Minimal und Techno weiterbewegt hat, fühlten sich Tracks wie Love Story eben rasch sehr kommerziell an. Dabei begann der Track wie jeder andere; Rhythmus, Soul usw... einigen Leuten mussten wir dies wirklich lang und breit erklären und es gibt welche, die hängen uns nun an Love Story auf, doch wenn man in unser erstes Album "Low Life" und auch in neuere Tracks von uns reinhört, die auf Plus 8 rausgekommen sind, erhält man ein viel kompletteres Bild von uns..."

Logischerweise muss bei einem Duo, das gemeinsam arbeitet, die Chemie stimmen. Wie funktioniert das bei euch so bezüglich den Live-Auftritten und beim Produzieren?

"Die stimmende Chemie gleicht aus, wie verschieden wir sind und das hilft beiden als Person und auch auf der kreativen Seite. Die Produktion ist auf der technischen Ebene mehr Matts Ding, er ist fantastisch im Studio. Die Ideen kommen von beiden und das Writing, das Arrangement und die Produktion machen wir alles gemeinsam. Das Programmieren ist dann wieder Matthews Ding. Auflegen tun wir ja beide als DJs, doch über die Jahre hinweg habe ich meist den Part mit den Medien übernommen. Unsere Präsentation als Künstler, Bilder, Ideen fürs Album-Artwork...das mache ich."

Was gibt's Neues in euren musikalischen Pipelines?

"Wir arbeiten an einem neuen Album, das wir nächstes Jahr releasen wollen. Dieses Jahr haben wir eine EP namens Storm and Stress auf Plus 8 rausgebracht, eine Single namens The Big Dream auf Olmeto mit einem Remix von Martin Buttrich und wir haben auch einen Remix für Sashas erste Single für sein neues Label gemacht. Also so einiges!"

Zweifelsohne wird die Dance Music zusehends kommerzieller. Findet ihr das etwas Gutes mit Blick auf die Entwicklung der Genres oder eher etwas Schlechtes, da die Szene überfüllt und unübersichtlich wird?

"Ich finde es nicht so toll. Ich mag es, wenn die Musik interessant ist, verschieden, lebhaft und dynamisch. Das heisst nicht, dass sie nicht populär sein darf, aber zu kommerziell mag ich es nicht. Momentan stehe ich auf Bon Iver, Black Keys, John Tejada und das neue Audiofly-Album. Aber nein, ich werde nie etwas von Justin Bieber kaufen oder einen Popsong mit einem Dance-Beat..."

Werdet ihr eure "Shake It"-Partys auch noch an anderen Orten veranstalten neben der MTV Residency auf Ibiza dieses Jahr?

"Ja, wir sind am sondieren, vielleicht Rom, Tokyo, Südamerika. Irgendwo, wo wir auf Tour sind und wo es passt. Einerseits sage ich "nicht zu kommerziell" und andererseits denke ich dann an Labelnächte, irgendwie ist es schwierig, ein Gleichgewicht zu finden glaube ich!"

Wie geht es euch seit das The End geschlossen ist? Gibt es irgendwelche Pläne, den Club wiederauferstehen zu lassen oder vielleicht ein neues Projekt zu starten?

"Die Entscheidung war richtig. Es war eine tolle Gelegenheit und ich mag die Tatsache, dass wir den Mut hatten, einen Schlussstrich zu ziehen. Aber natürlich vermisse ich es sehr, mit einem Team von so kreativen Köpfen zusammenzuarbeiten. Ich liebe es, DJ zu sein und Musik zu produzieren und es ist auch cool, Künstler zu sein ohne den Druck eines Geschäfts. Doch ich strebe nach mehr und der Tag wird kommen, an dem ich ein neues Projekt starten werde."

Wie geht's eurem Label Olmeto Records? Wie sehen dort die Zukunftspläne aus?

"Wir haben eine neue Single am Start und auch einige Remixe von anderen Künstlern kommen auf dem Label raus, also da geht genug für die nächsten Monate. Ich glaube aber, dass wir unser neues Album auf einem anderen Label releasen werden. Ich mag die Tatsache, dass auf dem Label praktisch nur Musik von mir und Matthew rauskommt, das ist etwas ziemlich einzigartiges."

Veröffentlicht 27 Aug, 2011. James Chapman

Tags: AmnesiaI Want My MTV IbizaIbiza FeatureIbiza NachrichtenInterview

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