Der Italiener aus Neapel spricht über seine neueste Veröffentlichung uns seine Ibiza-Pläne für 2011.

Spotlight: Vielleicht eine allzu offensichtliche Frage, aber trotzdem: Was bedeutet der Titel deines neuen Albums, Play It Loud?
Marco: Das ist praktisch eine Anleitung, wie ich mir wünsche, dass das Album gehört werden sollte, laut nämlich, denn meine Musik ist wirklich groovy und die Bassline gibt ihr eine tiefe Bedeutung. Als DJ habe ich das Gefühl, meine Musik muss laut gespielt werden, und so habe ich die Platte auch produziert, ob nun im Club oder zu Hause, das Entscheidende ist: Play it loud!
Warum hast du das Album als Mix rausgebracht?
Es gibt eine Mixversion, aber es wird auch Single-Auskoppelungen geben. Ich hab den Mix für alle gemacht, die keine DJs sind, wie gesagt, ich mache Musik zum Anhören, ich mache keine Lieder, ich mache Tracks. Die Mixversion ist für diejenigen, die nicht in Clubs auflegen oder DJs sind, damit die die Platte auch hören können. Die Platte drückt aus, wie ich als DJ bin - und gleichzeitig auch, wie als Producer.

Wie hast du die Platte gemacht, was für ein Equipment hast du benutzt?
Das ist schwer zu sagen, da die Produktion sich über einen langen Zeitraum hingezogen hat. Früher hab ich mit Logic gearbeitet, jetzt benutze ich Ableton, während ich das Album machte, habe ich verschiedene Ideen auf beiden Systemen ausprobiert. Zum Schluss habe ich Ableton für die Endversion benutzt, das gefällt mir super, einige beschweren sich über die Soundqualität, aber ich finde es viel intuitiver, man kann viel mehr kreieren, das bevorzuge ich.
Du hast vorher den Groove und die Basslines erwähnt. Durch das Fehlen von Vocals und Percussion scheinen diese beiden Elemente die Markenzeichen des Albums und deiner Musik insgesamt zu sein.
Ja, wahrscheinlich. Das ist ganz natürlich für mich, ich kann das nicht kontrollieren. Das treibt mich im Studio wirklich an, daher sind die Elemente wohl auch immer vertreten. Auch wenn ich auflege, ist das wahrscheinlich das Kennzeichen meines Sounds, ich habe fast schon eine Obsession für den Groove und eine gute Bass Drum.
Ich hab dich erst als Hard Techno DJ kennengelernt. Warum spielst du heute nicht mehr so hart wie damals?
Ich habe viele Jahr Hard Music aufgelegt und auch produziert, aber ich wollte schon immer auch andere Musik spielen und mehr Abwechslung reinbringen. Schließlich kam ich an einen Punkt, an dem ich die Hard Music nicht mehr so gespürt habe wie damals, als ich jünger war, aber mein Name wurde nur mit dieser Musikrichtung assoziiert. Daher war es sehr schwer, andere Sachen zu spielen, auch wenn ich mich gerne abwechslungsreicher präsentiert hätte, aber das Publikum war dafür noch nicht bereit. Eine Zeit lang traf ich die Entscheidung, nicht für bestimmte Clubs zu spielen, auch wenn diese ein fettes Honorar angeboten hatten. Ich legte in anderen Clubs für fast nichts auf, aber ich hatte Spaß dabei. Ich mochte nicht mehr irgendwo auflegen, wo mein Set limitiert war, ich wollte auflegen können, was mir gefiel, aber einige Clubs waren damals noch nicht offen dafür.
Du hast also deinem Instinkt vertraut und das Risiko gewagt?
Manchmal müssen Menschen Risiken eingehen, aber ich glaube, wenn man etwas macht, was einem gefällt, dann gibt man sich wirklich Mühe und dann wird man auch Erfolg haben. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum ich auflege und jetzt sogar noch mehr als früher. Weil ich machen konnte, was ich wirklich wollte, dort hingehen konnte, wo die Leute mich verstanden haben.
Bei deinem Werdegang und Hintergrund im Techno, entdeckst du jetzt mehr House Musik, wo du nun weniger hart auflegst?
Hmmm, wenn ich etwas höre und es klingt mir zu offensichtlich, dann macht es nicht Klick in meinem Kopf, dann gefällt es mir nicht. Beim House ist es oft schon einmal, zweimal, dreimal oder öfter wiederbenutzt worden, es ist einfach wieder dieselbe Schleife zu verwenden, die vorher schon da war. Aber wenn House mit neuen Elementen gemischt wird, dann kann etwas Neues entstehen, etwas Besseres.

Kommen wir zu Ibiza. In den letzten Jahren ist dein Name einer der bekanntesten auf der Insel geworden. Warum, glaubst du, hat sich so ein Hype um dich entwickelt?
Ibiza [großer Seufzer!] hat eine großes italienisches Publikum und ein spanisches und natürlich auch ein großes englisches Publikum - aber die meisten folgen den englischen Promotern. Im Moment spiele ich bei der Cocoon und es solch eine tolle Nacht und es kommen so viele, auch welche, die die Cocoon vorher vielleicht gar nicht kannten, aber jetzt wegen des Namens kommen. Und sie entdecken gute Musik oder Musik, die sie mögen, und das bedeutet manchmal, dass sie auch mich entdecken, neu kennenlernen.
Also würde ich sagen, Ibiza ist eine Mischung aus Leuten, die einen kennen und anderen, die wegen der Party dort hingehen und dich so kennenlernen. Ich spiele schon seit 2001 auf Ibiza und es kommen so viele Leute. Ich liebe es!
Aber hast du nicht auch das Gefühl, in den letzten Jahren echt durchgestartet zu haben?
Nun, ich versuche immer, auf dem Teppich zu bleiben. Ja, es ist größer geworden und besser. Alle diese Partys, auf denen ich spielen konnte, das war gut. Aber ich habe immer das Gefühl, ich muss noch besser werden, noch irgendetwas mehr machen. Ich will mehr geben, mehr Musik geben und mehr Musik spielen...

Marco bei der Cocoon im Amnesia
Wie ich weiß, warst du auch einer der Headliner bei den Closingpartys der Amnesia, welche davon waren in den letzten Jahren was ganz speziell für dich?
Ja, die sind wirklich ganz was Besonderes. Ich habe die letzten 5 Jahre bei der Amnesia Closing gespielt und jedes Jahr haben die Verantwortlichen beschlossen, einige Gäste zu pushen - am Anfang waren es nur Residenten. Die letzten beiden Jahre war es einfach absolut crazy bei den Closings, es kamen drei- oder viermal so viele Leute wie in vorigen Jahren. Es ist die Mischung aus einem einfach richtig guten Club und der richtigen Wahl an DJs.
Wie sind deine Ibiza-Pläne für 2011?
Das wissen wir noch nicht genau, weil alle Termine noch bestätigt werden müssen, aber ich glaube, es wird keine großen Wechsel geben.
Vielleicht ein paar Auftritte im Pacha oder DC10...?
[lacht] Ich habe dort immer wieder angefragt, sogar letztes Jahr, aber.... ähem... [lacht] Ich glaube nicht, dass sich zu letztem Jahr viel ändern wird.
Du hast wirklich enge Kontakte mit großen Labels und Marken wie M-nus, Desolat und Cocoon. Wie wirst du allen gleichzeitig gerecht?
Ich mag es, dass ich danach handeln kann, wie ich mich gerade fühle, ich habe keine Verpflichtungen, aber ich treffe jede Wahl respektvoll. Ich bin immer ehrlich und offen mit jedem. Aber in dieser Techno-Community, mit all den DJs und Promotern, sind wir eh alle Freunde. In der Trance-Szene spielt ein DJ nicht mal die Platten der anderen, aber bei uns ist das anders, wie sind Freunde und helfen einander, wir haben nicht diese gierige Vision von Musik und Geld.
Und so klappt das auch alles, weil die Leute wissen, wie ich bin. Ich liebe Richies Label und bin stolz ein Teil dessen zu sein, was dort passiert ist. Das gilt auch für die Cocoon, die beste Party der Insel und ich bin Teil davon. auch Richie ist ein Teil davon. Loco Dice ist ein richtig guter Freund, und wenn ich mit ihm spiele, ist alles so einfach, alles passt.
Mit Loco Dice hast du letztes Jahr oft Back2Back gespielt.
Wir haben vor einigen Jahren angefangen zusammen zu spielen und wie du weißt, ist das nicht so einfach. Aber Dice und ich kennen uns so gut, musikalisch, dass wir immer die richtige Balance gefunden haben. Ich weiß, was er nicht mag und umgekehrt, das macht es viel einfacher und b2b zu spielen macht es so viel entspannter und es kann etwas wirklich Besonderes dabei rauskommen.
Grazie Marco!
Prego, Ciao!
Marco mit Richie Hawtin bei der Amnesia Closing 2009
Veröffentlicht 24 Jan, 2011. Grego O'Halloran
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