Interview mit Paul Woolford

Tickets für We Love @ Space

Wir trafen uns mit dem We Love-Stammgast Paul Woolford...

Hey Paul, wir sind schon bald am Ende eines weiteren verrückten Sommers. Was hat dich alles auf Trab gehalten? 

Auf Tour zu sein und im Studio zu arbeiten - wie immer. Manchmal ist es zwar echt schwierig, sich für zwei oder drei Tage auf die Studioarbeit zu konzentrieren und darauf, etwas zu kreieren, wenn man gerade auf Tour war. Doch mir fällt das heute leichter als früher. 

Du bist auch diesen Sommer wieder Resident-DJ bei der We Love. Wie ist die Fiesta so im Vergleich zu den Vorjahren?

Ich habe das Gefühl, dass die Party sich musikalisch noch weiter geöffnet hat, als je zuvor. Es gibt Performances von Künstlern bzw. Bands wie Caribou, David Kennedy (Pearson Sound), Quantic, Mark Rae, Blondes, Appleblim etc. unter all den House- und Techno-Acts, die das eigentliche Lebenselixier der Party darstellen. Die Pflege dieser Details kann den kleinen Unterschied ausmachen. Ich selbst bin diese Saison meist ein paar Stunden vor meinem Auftritt in den Club gekommen und habe Freunde getroffen und bin mit ihnen abgehängt. Das ist früher nie passiert und ich habe es echt genossen, ein bisschen Zeit mit Freunden zu verbringen, die ich in den letzen Jahren nie genug gesehen hatte. Es war toll!  

Wie du gesagt hast, hostet die We Love eine grosse Auswahl an DJs und Soundstilen. Musst du dich bei der We Love an einen bestimmten Stil halten oder kannst du spielen, was immer du magst? Und welche Technowelle hat dich diesen Sommer erfasst? 

Ich kann komplett selbstständig entscheiden. Aber es macht nicht viel Sinn, morgens um sieben die Terrace mit den gesamten Bereich meines Musikgeschmacks zu beschallen. Eine Platte von 2562 würde da für Kopfschütteln sorgen. Doch genau diese Platte kann ich dafür in der Discoteca spielen. Man sucht sich also die zum Auftritt passenden Tracks aus, so wie immer. Für die Terrace wähle ich normalerweise etwa 50 Scheiben aus, von denen ich weiss, dass ich sie irgendwann spielen will. Hierbei spielt natürlich auch eine Rolle, wer davor aufgelegt hat und wie sich die Atmosphäre auf dem Dancefloor so anfühlt. Schlussendlich entscheide ich mich dann spontan. Ich bin nicht der Typ DJ, dem es nur darum geht, die Arme der Crowd in der Höhe zu sehen. Ich mag es mehr, Phasen und Momente zu kreieren. Wichtig ist, dass die Terrace ein bestimmtes Niveau an Energie erreicht, damit die Stimmung fühlbar wird.

Ein ganz anderes Thema ist die Discoteca. Auf diesem Dancefloor geht es immer viel energetischer zu und her und hier kann ich auch die harten Tracks spielen. Den ganzen Sommer über habe ich die Releases von Skudge, Mike Dehnert, 2562 und Shed's Head High geliebt. Vor allem, was Skudge dieses Jahr so rausgebracht hat, ist fantastisch. Ihre Tracks sind  auf eine trügerische Art und Weise sehr simpel und passen so wunderbar in fast jeden Typ von Set. Du kannst ihre Tracks in einem gechillten Houseset spielen, du kannst sie in ein Technoset einfliessen lassen, einfach überall. Ich bin froh, dass es wieder solch rauhen Sound gibt, denn so gibt es einen wunderbaren und rockenden Gegenpol zu all den doch sehr musikalischen Dingen, die in letzter Zeit erschienen sind. Es ist genial, solche Kontraste aufeinandertreffen zu lassen. Ich denke, dass das musikalische Klima der Undergroundszene nie in einem besseren Zustand als jetzt war. Es gibt wieder richtig starke Housemucke und es tut gut zu sehen, dass viele DJs ihre Horizonte musikalisch wie auch musikgeschichtlich erweitern, anstatt ausschliesslich neues Material zu spielen.

Du hast auf vielen Labels Musik releast, unter deinem Namen und auch unter deinem Alias Bobby Peru. Zu welcher Musik bist du aufgewachsen, was hat deine verschiedenen Sounds, die du produzierst, und den Drang, DJ zu werden, inspiriert?

Radio (das Lokalradio) zum grössten Teil. Dann entdeckte ich Jeff Young und Robbie Vincent auf Radio 1. Dann folgte Pete Tong und zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon die Piraten und die ortsansässigen Plattenläden Crash und Jumbo in Leeds entdeckt. Ich saugte alles auf, schon bevor ich überhaupt mit dem Clubbing in Berührung kam. Viele Leute, die in der Dance Music-Industrie sind, hatten irgendwann einmal ihren "Aha-Moment" in einem Club. Für mich war es fast umgekehrt; ich hatte jahrelang Platten gekauft, weil ich die Musik liebte und erst, als ich das Clubszenario kennen lernte, verspürte ich den Wunsch, diese Platten in Clubs zu spielen. Und selbst dann war mir noch nicht bewusst, dass man daraus effektiv eine Karriere machen kann. Alles startete aus purem Enthusiasmus. Genau so, wie heute.

Deine Heimatstadt Leeds ist ja bekannt für berühmte Partys wie die Back to Basics. Wie denkst du über die heutige Raveszene dort und sonstwo in Grossbritannien? Reizt dich die Szene noch? 

Die Szene ist kerngesund! Die Tatsache, dass ich so viel unterwegs bin, limitiert meine Clubbesuche hierzulande aber sehr. Kürzlich war ich jedoch bei der Cocoon In The Park und die Fete war der Hammer! 10'000 Leute am Tanzen in der Sonne, den ganzen Nachmittag lang und bis in den Abend hinein. Ich versuche auch immer, zur Acetate ins Wire zu gehen, David Kennedys Party. Das ist momentan wohl meine Lieblingsparty in Leeds. Einerseits, weil sie mir musikalisch extrem gut gefällt und andererseits, weil sie bisher unter der Woche stattfand. Die nächste Party steigt mit Four Tet und Ben UFO. Letztgenannter ist für mich der momentan aufregendste DJ in Sachen Musikauswahl und wie er diese spielt!

Gibt es irgendwelche Künstler, von denen du denkst, sie bringen die Szene vorwärts? 

Eben, was die DJs angeht, ist Ben UFO die Person, die mich zuletzt am meisten inspiriert hat. Ironischerweise produziert er aber selber noch keine Musik. Ich bewundere an ihm, wie gekonnt er Tracks aneinanderreiht und unermüdlich altes Material ausgräbt. Seine Show auf Rinse FM muss man sich einfach reinziehen und es gab dieses Jahr schon einige Gänsehautmomente, als er Dinge wie Baby Ford "Ford Trax" und Kenny Larkins alten Sade-Remix spielte, wo man sich überrascht wundert, wie jemand in seinem jungen Alter überhaupt darauf kommt! Was die Produzenten angeht, war ich vor allem von den neuen Sachen von Actress & Hype Williams und Hudson Mohawke begeistert. Und das aus ganz verschiedenen Gründen. Der Sound dieser drei Künstler hört sich einfach grundverschieden an. Was den puren Dancefloorsound angeht, so gab es einen unglaublich geilen Remix von Roman Flügel von einem Anthony Collins-Track; er hat sich bei Steve Reich genau das richtige abgeschaut und in die Breakdowns des Tracks integriert. Was daraus entstanden ist, hört sich einfach überaus interessant und frisch an. Dann gab es diesen Caribou-Remix von Virgo Four (erschienen auf Rush Hour). Diese beiden Remixe sind einfach Killer-Tracks, ich könnte tagelang davon schwärmen...

Dieses Jahr gab es von dir schon Releases auf Phonica, Local Action und Planet E...was kommt als nächstes?

Mein nächster Track wird auf Scubas Hotflush Label erscheinen im September - eine weitere Kollaboration mit meinen Freunden Psycatron. Unsere letzte gemeinsame Platte kam letzes Jahr zu dieser Zeit auf Cocoon raus und somit stimmt das Timing wunderbar. Momentan sind Skudge gerade daran, meine Release auf Planet E zu remixen, die vor einem Monat oder zwei erschienen ist. Auf Phonica wird es zudem Remixe von meiner Single geben von Kassem Mosse & Boddika vom Instra:Mental. Und gerade diese Woche habe ich selbst einen Remix für Vince Watson fertiggestellt; Moby kommt als nächstes dran. Es warten noch weitere, sehr spannende Kollaborationen auf mich, ich hatte einfach noch nicht die Zeit dazu! 

Wir haben gehört, dass du schon immer einmal einen Popsong produzieren möchtest. Bist du diesem Traum schon näher gekommen und schlüpfst dafür in ein weiteres Alias?

Ja, dieser Traum bleibt wohl immer bestehen. Was man jedoch ändern kann, ist der Kontext, wie man es angeht. Am nächsten an Pop bin ich bisher gekommen mit dem Remix von T Williams, die Stimme ist purer Pop von Terri Walker und ihr Ruf ist exzellent, sie hat Produktionen bei Def Jam gemacht und so weiter. Ich habe dieses Gebiet etwas ausgekundschaftet, doch man muss es wirklich absolut vom ganzen Underground-Stuff absondern.

Stimmt es, dass du sehr kunstinteressiert bist? Hast du jemals mit dem Gedanken gespielt, Kunst als visuelles Element in deine Sets einfliessen zu lassen?

Das stimmt. Doch mein Geschmack ist wohl nicht unbedingt geeignet, um in Clubs gezeigt zu werden. Es wäre zu krass, diese Passion mit dem oftmals geschmacklosen und billigen Einsatz der Visuals zu kreuzen. Oftmals sprechen mich die Werke am meisten an, die in jahrelanger Arbeit enstanden sind. Im Club ist die Zeit limitiert. Eine echte Kollaboration mit einem Künstler wäre absolut interessant, doch da muss man erst einmal jemanden finden, der das Talent hat und in kürzester Zeit Dinge kreieren kann und obendrein noch zu dir passt. Sowas passiert nicht einfach so. Zudem muss man auch beachten, dass man die Kunst schlussendlich eben in einem sehr komplexen Szenario präsentiert - nämlich in einem Club. Natürlich gibt es immer wieder mal interessante Ideen und Vorschläge, doch in meiner Position muss ich mich dann immer fragen: Wie viel davon ist Schnickschnack und wie viel davon ist wirklich authentisch und brauchbar? 

"Achilles/Razor Burn" ist auf Planet E erschienen und "Stolen" wird im Oktober 2011 auf Hotflush  releast werden. 

Tickets für We Love @ Space

Veröffentlicht 22 Sep, 2011. Henrietta Hutchon

Tags: SpaceWe LoveIbiza FeatureIbiza NachrichtenInterview

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