Wir sprachen mit Ryan O'Gorman und jozif über die neue We Love-Compilation, Clubbing am Sonntag und über ihre Produktionspläne fürs restliche Jahr.
Spotlight: Ryan und jozif, ihr habt die We Love-CD für den Sommer 2011 gemixt. Wie habt ihr die Tracks für die Compilation zusammengestellt und wart ihr euch rasch einig über den Sound, den ihr darauf haben wolltet?
Ryan: Ich wollte, dass der Mix etwas mehr Tiefe hat als der Standard-Club-Mix. Die Mixe, die mir speziell in Erinnerung geblieben sind, waren immer die etwas langsameren, gefühlsbetonteren Sessions, die mich auf eine Reise mitnahmen. Ich wollte etwas machen, woran die Leute noch in ein paar Jahren Freude haben können, anstatt einer Zusammenstellung der Hits des Sommers. Wir arbeiten generell sowieso auf diese Art und Weise; wir suchen Musik mit Langlebigkeit. Schlussendich mussten wir also nur die richtigen Tracks raussuchen und sie passend aneinanderreihen.
jozif: Ja, Ryan und ich hatten von Beginn an eine ähnliche Vorstellung: Ein etwas deeperer, ein bisschen langsamerer und nicht allzu sehr auf der Hand liegender Mix war die Idee. Den Mix zu produzieren war dann viel einfacher, als ich gedacht hatte, da wir ja beide dieselbe Tracklist hatten und uns so prima darauf vorbereiten konnten.
Das "Burlington Project" hostet auch dieses Jahr wieder die Redbox bei der We Love. Repräsentiert die Compilation den Sound, den wir diesen Sommer dort sonntags hören können?
R. Ja und nein. Ich mache gerne einen klaren Unterschied zwischen der Musik, die ich in Clubs spiele und der, die in deinem Auto oder an einer Afterparty aus der Stereoanlage ab CD ertönt. In einem Club bekommt die Musik ein ganz eigenes Wesen, ein viel intensiveres Dasein; auf einem guten Soundsystem gespielt bekommt die Musik eine fast physikalische Eigenheit, man spürt den Kick, die Basslines usw. Es ist ein Angriff auf deinen Körper und deinen Geist und alle, die irgendwann mal in der Discoteca des Space gestanden haben, werden das bezeugen können. Wenn ich im Club spiele, ist es mein Hauptziel, die Leute zum Tanzen zu bringen. Sobald man aber den Tanz-Aspekt wegnimmt, geht man sofort in etwas Intellektuelleres über. Natürlich spielt man immer noch seinen Stil, aber meist etwas deeper und melodiöser als im Club.
Was steckt eurer Meinung nach dahinter, dass die We Love zu einer solchen Institution geworden ist und dass sie nach wie vor zu den wichtigsten Partys der Insel gehört?
R. Darren, Mark und Sarah haben aus We Love das gemacht, was es heutzutage ist. Es ist ein langes und interessantes Stück britischer Clubgeschichte, den prestigeträchtigsten Club der Welt am Sonntag (dem ursprünglichen Disco-Sabbat der Insel) zu besetzen. Selbstverständlich war für den grossen Erfolg auch das grandiose Line-Up der letzten zehn Jahre mitverantwortlich, alle Pioniere der elektronischen Musik waren da!
j. Wie Ryan sagte, es sind diese paar Leute, die den Unterschied ausmachen. Diese Gruppe von Leuten bei We Love haben alle eine grosse Erfahrung und Geschichte in der Clubbing-Industrie und genau deswegen sind sie auch so erfolgreich. Zusätzlich zu dem breitgefächerten Angebot an Top-Acts, die sie buchen, schrecken sie auch nicht davor zurück, jüngeren DJs und neuen Talenten wie mir eine Gelegenheit zu bieten, ihr Können zu zeigen. Damit bleiben sie am Puls des Geschehens und so hört sich die We Love hört auch immer frisch an!
jozif auf der Terraza bei We Love 2011
Ryan, du kamst vor 12 Jahren zum ersten Mal als DJ nach Ibiza. Wie einfach oder schwierig ist es deiner Meinung nach für neue DJs und Produzenten, sich auf der Insel einen Namen zu machen? Wie kann man herausstechen?
R. Ich glaube, dass die Erfolgschancen viel grösser waren, als ich das erste Mal auf der Insel aufschlug. Die Industrie war damals nicht so gut organisiert und du konntest leicht von dir hören machen, wenn du in einer Bar oder in einem Club auflegen konntest. Heute geschieht das nicht mehr so einfach, alle sind in ihre eigenen Partylabels und Gruppen aufgeteilt. Und die DJs, die in den grossen Clubs spielen, sind entweder internationale Grössen oder gut etablierte Residents der Party. Gleichzeitig möchte ich aber auch sagen, dass ich nach wie vor daran glaube, dass es hier Gelegenheiten gibt, wenn man seine eigene Szene kreiert. Schaut euch das Zoo Project an; die sind total unabhängig und sind eine der grössten Erfolgsstorys der letzten Jahre. Ein gutes Beispiel von harter Arbeit und gutem Verständnis, wie die Dinge auf der Insel funktionieren.
jozif, neben deinem Engagement bei We Love hattest du letzes Jahr einige Veröffentlichungen auf Labels wie Wolf+Lamb, und auch bei deinem eigenen Imprint Fist or Finger (zusammen mit Craig Richards). Bleibt dein Tour- und Erscheinungskalender 2011 auch so voll?
j. Ja, so scheint es: Ich habe soeben einen Remix für Shonky fertiggemacht auf Culprit, und auch eine EP für dasselbe Label. In Kürze kommt auf Jonny Whites (von Art Department) Label No. 19 zudem ein Remix raus, den ich für Soul Clap und Tanner Ross produziert habe. Dann ist fürs Jahresende eine weitere EP geplant, die auf InFine rauskommt, sowie mindestens zwei weitere Releases auf Fist or Finger. In der letzten Zeit habe ich an vielen Edits gearbeitet, die ich diesen Sommer auf der Terrace spielen will. Grundsätzlich will ich für jede Woche einen eigenen Edit haben und diese dann, nach der Closing Party, alle zum Download anbieten. Sehr ähnlich wie ich es mit meinen Resident Advisor Podcast Edits gemacht habe. Was die Gigs angeht, so führe ich meine Residency bei 2020 Vision in London weiter und spiele auch an einigen Festivals wie dem Lime Tree im August.
Jozif, erzähl uns noch was über deinen Eleanor Rigby-Remix. Woher kam die Idee dazu und was für Reaktionen hast du auf diesen doch ziemlich gewagten Edit bekommen?
j. Ich hab den Song schon immer geliebt (auch wenn ich kein grosser Beatles-Fan bin), wahrscheinlich weil der grossartige George Martin ihn arrangiert hat. Mein jüngerer Bruder hat dann den Streicher-Part gefunden, den ich dann einfach über den Song gespielt und dazu noch einen Rhythmus dazu programmiert habe. Da ich musikalisch einen so weiten Horizont habe, wollte ich für die RA-Podcasts schlicht ein grösseres Spektrum an Musik zeigen, die ich höre und mag. Dasselbe gilt für den Edit von "Runnin'". Was die Reaktionen angeht, so waren sie bisher meist sehr gut, ich glaube bisher hat noch niemand den Remix gehasst!
Ryan O'Gorman
Ryan, die We Love-CD des Sommers 2011 kommt auf deinem Label Vitalik Recordings raus. Erzähl uns über die weiteren Pläne, die du mit dem Label für 2011 noch hast. Und was wirst du tun, sobald die Sommersaison im Space wieder vorbei ist?
R. Wir fahren weiter damit, unsere frischen Talente zu pushen und arbeiten daran, daraus eine Familie von wirklich guten Produzenten zu machen. Die elektronische Musik hat gegenüber der restlichen Musikindustrie mächtig aufgeholt und wichtig ist nun, wie es Sean Combs schon sagte: "95 % Promotion". Wir spielen das Spiel um den Hype mit und versuchen, unsere Produzenten ins Scheinwerferlicht zu rücken. Natürlich ist das einfacher gesagt als getan, aber es ist unser Ziel und der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Ausdauer. Es wird neue Releases geben von Hugo Barritt, Ethyl, Joe Europe, CDT (die Paul Loraine & Richard Seely-Kooperation) und von meinem Studio Alias Soulade. Dann gibt's eine Menge Remixes von richtig grossen Namen. Der schnellste Weg, um einen neues Talent bekanntzumachen, ist, wenn man seine Tracks auf der EP eines bereits etablierten Künster mit rausbringt. Wir haben darin schon einige Erfahrung; es macht Spass, diese Verbindungen herzustellen und ich bin Leuten wie The Mole, Martin Buttrich, Appleblim, Agnes und Mark Henning sehr dankbar dafür, dass sie daran glauben, was wir tun.
Veröffentlicht 13 Jul, 2011. Henrietta Hutchon
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