Interview mit Adam Beyer

Mitten in den Nachwehen von der Sonar-Party seines eigenen Labels spricht Mr. Punch & Percussion über Themen wie Cocoon-CDs, Ibiza, "Männertechno" und den 15. Geburtstag von Drumcode.

Die CD

Dein neuer Mix von Cocoon ist gerade erschienen, was ist die Geschichte dahinter? 

“Nun, seit der ersten Saison bringt Cocoon CDs raus und irgendwann begannen sie auch, Pre-Season-CDs rauszubringen und luden andere Leute ein, ihre Mixe beizusteuern. Im Februar erhielt ich einen Anruf und wurde gefragt, ob ich dieses Jahr gerne mitmachen würde. Ich hatte schon seit einer Weile keine Mix-CD mehr gemacht und war mir auch nicht sicher, ob ich überhaupt eine planen sollte.

Weisst du, seit alles übers Internet so einfach zugänglich ist, gibt's keinen triftigen Grund mehr, Mix-Alben zu machen. Aber weil's eine Mix-CD für die Partyserie war dachte ich: 'Warum eigentlich nicht?'

Es ist natürlich cool, hin und wieder einen 80minütigen Mix zu produzieren und so sagte ich zu. Das ganze musste ziemlich schnell über die Bühne gehen, aber ich bekam es hin. Ich wollte, dass der Mix sich so anhört, als ob ich bei Cocoon auflege und so wurde die Session nicht so hart wie gewohnt.”


Der Start des Mixes klingt ausserordentlich nach Cocoon.

“Ja, ich glaube es war schon immer meine Spezialität, einen Set richtig schön aufzubauen. Ich versuche immer, eine Progression, einen Spannungsbogen in mein Set zu bringen und die Leute so auf eine Reise mitzunehmen. Das war schon immer wichtig für mich.

Und genau wie diesen Mix würde ich meinen Set bei der Cocoon auch spielen. Diese Clubumgebung ist perfekt und wenn man ein langes Set spielen kann, so hat man eben die Gelegenheit, die Crowd auf eine Reise zu schicken. Ich habe in diesem Mix versucht, ein langes Set zu reflektieren, indem ich einen langen Buildup (20 Minuten oder so!) gemacht hab, bevor ich es dann eine Weile lang krachen liess, um die Energie anschliessend wieder etwas zu drosseln."

Was die Tracks angeht, hast du da einfach deine aktuellen Lieblinge ausgewählt, die gut in den Mix passen? 

“Nun, ich dachte mir: 'OK, was will ich genau machen?' Auf allen meinem bisherigen Mix-CDs habe ich immer versucht, mich selbst zu repräsentieren, ohne zu übertreiben. Ich hasse es, wenn die Hälfte des Mixes aus Tracks besteht von der Person, die den Mix gemacht hat. Deswegen bringe ich immer nur einen oder zwei meiner eigenen Tracks, in diesem Fall war es halt einer.

Dann wollte ich natürlich auch die Leute aus meinem Umfeld präsentieren; die schwedische Familie, wie zum Beispiel Cari (Lekebusch). Aus diesem Grund gibt es sechs oder sieben Tracks von schwedischen Produzenten mit auf dem Mix. Dabei geht es auch um die Identität, denn diese Leute sind musikalisch alle sehr verbunden mit mir, insbesondere die Drumcode-Jungs wie Paul Ritch.

Weiter gibt's ein paar Tracks auf dem Mix, die nicht digital gereleast worden sind und das macht das Ganze natürlich interessant. Es gibt einen Track von Skudge, der nie auf Beatport oder sonstwo zu finden war und auch einen Track von Function (auf dem Sandwell Disctrict-Label), den es nur auf Vinyl gibt. Zusätzlich wollte ich, dass das Ding etwas housiger oder tech-housiger  daherkommt, da es schliesslich um Cocoon und um Ibiza geht, deswegen kommt der Mix für meine Verhältnisse ziemlich funky daher.

Mit all diesen Gedanken im Kopf verbrachte ich dann einige Zeit damit, die Tracks auszusuchen. Es gibt einige Tracks auf dem Mix, die ich zwar sehr mag, aber aus irgendeinem Grund nicht oft gespielt hatte. Da sie nun aber perfekt in den Mix passten, um die Übergänge zu kreieren, fanden sie ihren Weg eben dennoch rein. Auch wollte ich nicht, dass der Mix einfach aus den zehn grössten Technotracks des Augenblicks besteht. Ich wollte eine Mischung aus einigen Hits und anderen Tracks, die einfach gut zusammenpassen. Das Resultat ist eigentlich genau so rausgekommen, wie ich wollte, sogar mit dem schön sanften Ende mit Terence: Terry."

Das Label

Nun ist die Saison in vollem Gange und deine Auftritte nähern sich. Hast du schon konkrete Pläne für deine Gigs und deine Zeit auf der Insel? 

“Es ist immer schwierig, die Saison im Voraus zu beurteilen, aber ich glaube, Ibiza wird einen guten Sommer haben. Ich habe ein paar Gigs, auf die ich mich sehr freue. Die Insel hat sich in den letzten zehn Jahren ziemlich verändert, sehr sogar. Es gibt mehr qualitativ hochwertige Hotels und viele neue qualitativ gute Restaurants - auf jeden Fall scheint es so, denn sie sind alle im High-End-Bereich.

Aber weisst du, auf Ibiza gibt es für jeden was Passendes. Es gibt nach wie vor sehr authentische Restaurants, wenn man weiss, wo diese zu suchen sind, und das finde ich toll. Diesen Sommer werde ich zwischen den Wochenenden wohl etwa drei oder vier Wochen dort sein. Ich glaube die meisten DJs sind sehr gerne auf Ibiza und haben alle eine Beziehung zu der Insel.

Die Cocoon wird natürlich das Highlight für mich sein - denn die Cocoon ist nach wie vor eine grandiose Party; der Club ist immer zum Bersten voll und die Stimmung ist unglaublich. Ich werde im Main Room spielen und da am selben Abend Richie (Hawtin) und Ricardo (Villalobos) auf der Terrace spielen, hab ich einiges an Konkurrenz, aber wenn der Club voll ist, dann ist er voll."

Drumcode hat dieses Jahr schon sehr viele und vor allem auch qualitativ sehr gute Releases rausgebracht von Youngsters wie Joseph Capriati bis zu alten Hasen wie Slam. Warum plötzlich?

“Ich denke, dieser Prozess kam schrittweise. Vor ein paar Jahren, so 2005 und 2006 liess ich Drumcode etwas links liegen, irgendwie fühlte sich das Label ein bisschen verbraucht und erschöpft an. Dann gab ich mir aber einen Ruck und schau, wo wir heute sind.

Der Erfolg liegt in der guten Zusammenarbeit. Heute habe ich endlich ein gutes Team und wir haben mehr Leute, um die Arbeit zu machen. Zudem ist alles auch viel besser koordiniert und fast alles ausser den Bookings geschieht unter einem Dach. Das funktionierende Teamwork und die Loyalität sind also zwei ganz wichtige Komponenten.

Ich denke, dass die Produzenten automatisch zu dir kommen, wenn die Qualität stimmt, denn dann wollen sie bei dir releasen. Plötzlich findet man so den Sound des Labels und bevor du dich versiehst, hast du einen Haufen Produzenten, die genau diesen Sound produzieren und schon hat man viele tolle Erscheinungen.

Wir haben unsere Gruppe an Künstlern nun gefunden; ich bin damit sehr glücklich und denke, dass es wohl für eine Weile bei diesen Acts bleiben wird. Ich werde nicht zu viele Leute unter Vertrag nehmen. Aber natürlich ist es nett, zwischendurch mal was anderes rauszubringen oder jemanden reinzunehmen, der einen leicht anderen Stil hat. Ich wil nicht, dass unser Label nur unter "Männertechno" kategorisiert wird. So würden wir niemandem helfen.

Deswegen versuche ich, verschiedene Acts beim Label zu behalten, die ihren eigenen Sound spielen, anstatt zehn, die alle gleich klingen. Dennoch haben wir momentan eine Art Markenzeichen-Sound. Ich weiss auch nicht genau, warum das so ist, aber wir haben Erfolg damit und ich bin glücklich darüber."

Das Label feiert 2011 auch seinen fünfzehnten Geburtstag. Wie werdet ihr diesen zelebrieren?

“Im September werden wir auf Tour gehen und haben auch eine Compilation am Start mit einem Track von jedem von unseren Künstlern plus ein paar Überraschungen. Wir werden in den europäischen Clubs spielen, in denen wir auch sonst auftreten. Und dann gibt's im selben Monat auch eine eigene Drumcode Party im Amnesia, es ist also einiges los.

Das sind alles Dinge, die ich eigentlich sowieso schon lange mal tun wollte. Mehr Label-Showcases, eigene Partys, eigene Zelte an Festivals. Es scheint DAS Erfolgskonzept zu sein, viele Marken tun dies bereits. Man hat also seine eigene Party, seine eigene Familie dabei und die Crowd mag es auch, denn sie wissen so genau, was sie erwarten können." 

Und zu guter Letzt, was können wir sonst noch so erwarten in den nächsten paar Monaten? 

“Im August feiert unsere eigene Radio Show ihr einjähriges Jubiläum. Die Show läuft echt super und ist für uns eine tolle Plattform, um zu zeigen, was wir tun. Bei der Show wird alles live aufgenommen, per Mikrofon, wenn wir auf Tour sind, ansonsten sind's live-Studiomixe. Dann kommt im September eine LP von Ben Sims raus, auf die wir uns auch sehr freuen, speziell deswegen, weil es sein erstes Künstleralbum überhaupt ist. Und wie bereits erwähnt stehen dann die Feierlichkeiten für unseren 15. Geburtstag auf dem Programm und damit sind wir super ausgelastet."

myspace.com/adambeyer

facebook.com/realadambeyer

Veröffentlicht 16 Jul, 2011.

Tags: AmnesiaCocoonIbiza FeatureIbiza NachrichtenThe Juice

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