Es war die letzte Closing-Party der Saison und wohl auch die verrückteste. Die Circo Loco-Crew versprach uns diesen Sommer, die Fiesta auf das "Next Level" zu bringen: 40 DJs, verteilt auf 3 Floors und mehr als 16 Stunden Musik... eine glatte Eins!
Als ich zum letzten Mal in dieser Saison beim DC10 ankam, über den staubigen Parkplatz rüber zum Eingang marschierte und die Menschenmassen sah, überkam mich ein Gefühl von Traurigkeit. Das DC10 war diesen Sommer definitiv mein Lieblingsclub und auch der meistbesuchte. Natürlich montags, aber manchmal auch mittwochs und freitags. Im Gegensatz zur Opening Party, als Regen das Feiern in der Outdoor-Area verhinderte, herrschte bei der Closing Party eitel Sonnenschein und es war für Oktoberverhältnisse richtig heiss - perfektes Wetter also, um die Musik auf dem eigens für diesen Anlass geöffneten Garden-Dancefloor zu geniessen.
Zwei DJs, die diese Saison den Circo Loco-Sound entscheidend mitgeprägt haben, sind Dan Ghenacia und Dyed Soundorom von der Lola Ed Crew. Bekannt für ihren groovigen Underground-House spielen sie bei ihren Sets meist back to back. Die beiden spielten am frühen Abend und das Timing war perfekt, um die Crowd in Stimmung zu bringen mit Tracks wie Shonkys Edit von Chez Damiers "Close". Der Garden-Floor füllte sich sehr rasch und obwohl die Bühne viel besser positioniert war als letztes Jahr, wurde es dennoch sehr, sehr voll. Das störte mich aber nicht lange, denn Dan und Dyed beendeten ihren Auftritt mit Miguel Campbells "Something Special". Die Insel rastete letzten Monat jedes Mal aus, wenn diese Nummer gespielt wurde und der gesamte Garden-Floor sang mit, als der Track aus den Boxen dröhnte - definitiv ein Highlight der Ibiza-Saison 2011.
Ein weiteres Schlüsselduo der diesjährigen Circo Loco-Line-ups waren Jamie Jones und Seth Troxler. Obwohl die beiden auch bei Einzelauftritten als Superstar-DJs gelten, bringen sie in meinen Augen ihre beste Performance, wenn sie gemeinsam back to back spielen. Ein paar Probleme mit dem Soundsystem zu Beginn brachten die beiden nicht aus der Ruhe und ich liebte die Old Skool-Housevibes und die fetten Garage-Basslines. Die Atmosphäre war einem Festival ähnlich: Alle möglichen aufblasbaren Gegenstände flogen durch die Luft und lustige Kostüme gab's im Überfluss. Als die Dunkelheit über das DC10 hereinbrach, wurde die Stimmung noch energetischer und die Crowd forderte das Duo zu einer Extra-Stunde heraus.
Drinnen im Main Room spielte der Newcomer Richy Ahmed sein Debüt-Set bei der Circoloco und tat dies in eindrücklicher Manier. Mit einem soliden und etwas schnelleren Groove als üblich brachte er alle zum Tanzen - auch Cassy und weitere Freunde in der DJ-Kabine. Ein weiteres beeindruckendes Set kam von den jungen Martinez Brothers, die es der Terrace ordentlich besorgten - nur war ein Durchdringen dahin nicht ganz einfach. Offenbar waren Villalobos und Zip (die auch back to back spielten) ein weiteres Highlight der Nacht, doch ich fand es einfach unmöglich, mir meinen Weg auf die Terrace zu bahnen, gab mich schließlich geschlagen und zog mich stattdessen in die Backstage Bar zurück.
Ich hatte mehr Glück im Main Room, wo ich auf satten und schnellen Techno von DJ W!ld traf, gefolgt von einem interessanten Set von Timo Maas (mit vielen widerhallenden Trommelschlägen). Danach war Damian Lazarus (wie immer schön modisch mit einem coolen Turban) an der Reihe, der uns mit feinem Electro-Pop verwöhnte, wie Ali Loves und Maceo Plex' "Stay High Baby", und der seine gesamte Crosstown Rebels-Crew im Schlepptau hatte.
Als sich die Nacht dem Ende näherte, kamen alle wieder auf der Terrace zusammen. Shaun (Reeves), Lee (Curtiss) und Ryan (Crosson) von Visionquest spielten dort eine grandiose Back-to-back-Session. Sie überraschten uns alle mit einem tiefen Taucher durch die House-Archive und mit Klassikern wie "Get Down", "U Don't Know Me", fein durchmischt mit aktuellen Hits wie "Everybody" von Benoit & Sergio. Der Höhepunkt der Party kam also einmal mehr zum Schluss, die Atmosphäre war gewaltig. Wir rissen uns aber vor dem letzten Track los, um uns ein Taxi zu schnappen, bevor das Chaos startete. Wir machten einen Boxenstopp bei uns zu Hause, waren dann ein paar Stunden bei einer Villa-Party, bevor es dann mit der Circoloco-Afterparty weiterging. Den Dienstagnachmittag verbrachten wir dann am Strand beim Sands, wo es noch mehr hervorragende Musik gab, zum Beispiel von System of Survival. Dann machte ich mich endlich auf den Heimweg und grübelte darüber nach, dass der Sommer 2011 nun endgültig zu Ende ist.
Es ist schon komisch, daran zu denken, dass das DC10 2008 und 2009 aus verschiedenen Gründen nicht jede Woche geöffnet war. Der Club war ein derart wesentlicher Teil des Ibizaclubbings 2011, nicht nur montags, sondern nun auch mit Super-Line-ups am Mittwoch und Freitag. Und für die Resident-DJs war es eine tolle Plattform, auf der sie sich entwickeln und sich selber als auch die Circoloco-Marke promoten konnten. Der Erfolg war diesen Sommer so gross, dass ich viele Stimmen gehört habe, die sich fragten, ob das DC10 nun nicht zu kommerziell wird. Egal was geschehen wird, ich glaube an die Promoter Andrea und Antonio und bin überzeugt, dass sie den Underground-Vibe beibehalten werden können. Es ist einfach möglich, dass die Circoloco auf globaler Ebene eine noch grössere Bekanntheit erlangt.
Veröffentlicht 10 Okt, 2011. Henrietta Hutchon
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