Interview mit Above and Beyond

Tickets für Cream @ Amnesia

Hannah Davies trifft sich mit Tony McGuinness von Above and Beyond und liefert uns das Neueste über das berühmte Trance-Trio.

Above and Beyond sind seit einem Jahrzehnt fester Bestandteil der Dance Musik-Szene und die Trancegruppe besteht aus drei extrem talentierten Leuten: Jono, Tony und Paavo. Wir von Spotlight fühlten ihnen auf den Zahn, um rauszufinden, woher sie ihre Inspiration nehmen, was sie wirklich über Ibiza denken, wie die Pläne für ihre bevorstehende Tour aussehen und weswegen sie ihren eigenen Lichttechniker haben. 

Spotlight: Hallo Tony! 2011 war ein tolles Jahr für euch. Dass ihr als Gewinner des "Essential Mix of the year" bei Radio 1 auserkoren wurdet, war nur einer eurer Erfolge. Erzähl uns, was eure Highlights waren.

Tony: Die Release unseres Albums "Group Therapy" war ein grosser Höhepunkt für uns; die Songs darauf haben eingeschlagen, wie wir es zuvor noch nie erlebt hatten. "Sun & Moon" und "Thing Called Love" wurden bei BBC Radio 1 in die Playlist aufgenommen und es war das erste Mal überhaupt, dass Songs von Above & Beyond dort tagsdurch gespielt wurden (auch wenn vor einer Weile der Track "Satellite" des Projekts OceanLab es auch in die Playlist geschafft hatte). Und "You Got To Go" sahen wir sogar auf einigen Tattoos! Das Ganze war sehr aufregend.

Mit dem neuen Album im Rücken legten wir auch bei unseren Shows einen Zahn zu. 2011 war das Jahr, in dem wir endlich sagen konnten, wir haben eine echte Show und wir wussten, wie wir sie noch verbessern können. Die beiden Shows beim EDC (Electric Daisy Carnival) in Las Vegas und bei der TATW400 (Trance Around The World) in Beirut waren wohl die unvergesslichsten, die wir je gespielt haben. Beide Shows waren total verschieden, doch beide waren einerseits richtig verrückt und liessen uns andererseits demütig werden. Und zum Jahresabschluss gewannen wir eben noch den Essential Mix of the year zum zweiten Mal; auch das war etwas ganz Spezielles.

Erzähl uns über die TATW400-Show in Beirut!

Wir flogen nach Beirut, um dort die 400. Ausgabe unserer Radioshow "Trance Around The World" zu zelebrieren. Mit uns waren auch Mat Zo, Kyau & Albert, Jaytech und Gareth Emery mit dabei und die gesamten acht Stunden wurden live übertragen. Nur schon die Show selbst war fantastisch - Beirut war für uns immer schon ein spezieller Ort und es waren 8000 Leute in der Halle und viele tausend weitere Leute hörten rund um den Globus mit. So viele Leute wählten sich ein, dass wir Twitter von einer halben Stunde nach Showbeginn bis zum Ende komplett überrannten; sie mussten uns von den Hot Topics löschen, so gefragt waren wir! Wir haben einen coolen Film gemacht, um die Feier in Erinnerung zu behalten; checkt ihn aus auf YouTube. 

Im März gibt es das Group Therapy-Erlebnis in Miami mit einem speziellen Event im legendären Bayfront Park Amphitheater. Wie bereitet ihr auf einen solch wichtigen Gig vor? 

Das Amphitheater dort ist wirklich ein ganz besonderer Ort und für uns somit eine einmalige Möglichkeit, etwas echt spezielles zu tun. Unsere ersten Gedanken drehen sich jeweils immer um die Produktion; also wie wir unsere Show am besten präsentieren können bezüglich Licht, Visuals und Deko und wie wir die Location selbst am besten hervorheben können.

Wir überlegen uns nun also, wie wir unsere Show noch schöner machen können, als sie bereits ist. Der zweite Schritt ist dann der musikalische Part: Die Support-Acts, die Running Order und selbstverständlich unser eigenes Set. Bei grossen Shows ist es immer cool, etwas neues oder einzigartiges aus dem Hut zu zaubern und das erfordert Disziplin und viel Arbeit!

Im April seid ihr in Grossbritannien auf Tour. Wie ist es, auf heimischem Grund zu spielen? Gibt es irgendwelche Locations, auf welche ihr euch speziell freut? 

Es ist jedesmal schön, zu Hause zu sein. Ich hoffe, wir können die gesamte Tour hier per Zug absolvieren, da wir sonst so oft im Flieger unterwegs sind. Wir haben in Glasgow noch nie im Barrowlands gespielt, es ist ein legendäres Lokal und wir können es nicht erwarten, die heiligen Bretter dieser Bühne zu betreten!

Gratulation zur bereits jetzt ausverkauften Show in London im April! Wegen der riesigen Nachfrage wurde daraus nun der "Group Therapy - Easter Weekender", also gleich zwei Shows. Wie fühlt es sich an, ein Jahrzehnt nach eurer Gründung nach wie vor so hoch im Kurs zu stehen?

Es ist ein geiles Gefühl! Unsere Fanbase vergrössert sich zusehends und insbesondere die Anzahl und die Hingabe der Fans hier in Grossbritannien begeistert uns. Als wir anfingen, hatten wir definitiv das Gefühl, dass uns die Jungs aus Holland und Deutschland einen Schritt voraus sind, doch nun ist dem nicht mehr so. Es ist immer toll, zwei Shows in derselben Stadt zu veranstalten und wenn es bei der Stadt um London geht, so ist es grossartig! Wir können es kaum erwarten!

Ihr wart im Sommer 2011 mit insgesamt 6 Gigs regelmässig auf den Cream Line-Ups vertreten. Wie sehen die Pläne für den kommenden Sommer aus? 

Wir werden wieder mit ähnlich vielen Auftritten bei der Cream präsent sein. Auf Ibiza gibt es jedes Jahr so viele Änderungen und die Konkurrenz ist riesig, doch für uns heiss die Konstante Cream; donnerstags im Amnesia. Seit Jahren ist die Party extrem beliebt und die letzte Saison war ihre bisher beste überhaupt. Wir sind überzeugt, dass der Sommer 2012 noch besser wird. 

Was ist denn so speziell an Ibiza?

Die Geschichte, das Wetter, die Kultur, die Insel selbst und ihre Bewohner, die Strände, das Meer, die Restaurants - die Liste ist endlos! 

Welches ist euer bevorzugter Ort um aufzutreten?

Nun, der Main Room im Amnesia ist praktisch unschlagbar. Es ist eine der berühmtesten Kirchen unserer Religion und enttäuscht niemals. Wir sind vielerorts aufgetreten, im Privilege, Eden und Space und vor Jahren habe ich bei der Manumission gefeiert, im El Divino und im Es Paradis. Wir kennen also die meisten Lokale wirklich gut und trotzdem favorisieren wir das Amnesia. Ich hätte jedoch viel darum gegeben, einmal an einem Sonntag auf der alten Space Terrace in der Sonne zu spielen.

Woher holt ihr euch die Inspiration für eure Songtexte? Und schreibt ihr die Tracks zusammen oder hat da jeder sein eigenes Spezialgebiet? 

Jeder macht ein wenig von allem. Ich mag es sehr, in die Texte und Melodien involviert zu sein, egal ob es die Songs sind, die ich selbst schreibe (und die Richard dann singt) oder die Songs, die wir mit Zoë zusammen schreiben. Ich glaube, es für uns alle dasselbe Spiel: Das Leben gibt uns die Inspiration, die Leute um dich herum und deine Reaktion darauf, was um dich herum geschieht. 

Songs zu schreiben ist eine Art Therapie. Man kann eine schmerzvolle Erfahrung in einem Song zusammenfassen, sie einkapseln und den Schmerz damit lindern. Man kreiert also mit all den negativen Emotionen etwas wunderschönes und das hilft dir wirklich, dem Schmerz auf Augenhöhe zu begegnen und aus der Lektion zu lernen. 

Eure harte Arbeit und euer Talent wurde letztes Jahr mit dem fünften Platz in der DJ Mag Top 100 DJ-Wahl belohnt. Wie wichtig ist euch diese Art von Bestätigung?

Es war schön, den fünften Platz behalten zu können, mit all dem, was um uns rum so abging. Das gab uns Sicherheit. Mann muss aber bedenken, dass die Wahl keine representative Rangierung darstellt. Ticketverkäufe, Plattenverkäufe und weitere Messdaten sind da viel verlässlicher.

Ihr besitzt euer eigenes Label Anjunabeats und das Sublabel Anjunadeep. Auf beiden Labels hattet ihr letztes Jahr diverse Release und viele weitere werden folgen. Auf welche Künstler oder Tracks müssen wir 2012 besonders Acht geben? 

Bei Anjunadeep ist Dusky der Name der Stunde. Das Projekt von den Solarity-Jungs wirft zurzeit echt Wellen und ihr Album "Stick By This" erhält durchwegs fantastische Rezensionen. Bei Anjunabeats haben wir kürzlich Norin & Rad unter Vertrag genommen, zwei Typen aus Kalifornien, die die Nase in der Tranceentwicklung sehr weit vorne haben. Dazu kommen unsere bereits bekannten Acts wie Arty und Nitrous Oxide, die sich das mixen der bald erscheinenden CD "Anjunabeats Worldwide" teilen. Wir sind sehr gespannt, was da rauskommen wird! 

Die Lichteffekte sind ganz klar ein wichtiger Bestandteil eurer Shows und uns bei Spotlight ist aufgefallen, dass ihr euren eigenen Lichttechniker bei euren Auftritten bei der Cream im Amnesia dabei habt. Erzählt uns davon!

Neil ist schon seit einigen Jahren bei uns dabei und fügt unseren Shows in der Tat eine weitere Dimension hinzu. Im Amnesia kann er wegen den gegeben Umständen nicht so aus dem vollen schöpfen, doch bei unseren Auftritten in Konzerthallen sind seine hundertprozentig koordinierten Lichtshows etwas atemberaubendes und unterstreichen unseren Sound auf dramatische Art und Weise! 

Er hat kürzlich auch als VJ angefangen und so wirken die Visuals auf den Bildschirmen und die Lichter noch besser zusammen. Und da er unsere Tracks so gut kennt, ist die gesamte Show nun super aufeinander abgestimmt und absolut fesselnd. 

Wie sind Above and Beyond denn entstanden? Wie habt ihr euch kennengelernt? Und was ist das Rezept hinter eurer so tollen Zusammenarbeit? 

Als ich bei Warner arbeitete, erhielt ich als Nachwuchskünstler die Chance, einen Remix für Chakras "Home" beizusteuern. Mein Bruder Liam hatte Jono übers Internet kennengelernt, als er auf der Suche nach Sounds für seinen Yamaha-Sampler war. Jono war damals Sounddesigner bei Yamaha und hatte eine Sample-CD angefertigt, die er via Versandauftrag verkaufte. Paavo und er studierten an der selben Universität Musik und begannen dort als "Anjunabeats" und "Dirt Devils" zusammenzuarbeiten. Unter diesem Pseudonym hatten sie einen Remix angefertigt von Nitromethane - "Time To Die", einem Track, den mein Bruder und ich gemeinsam kreiert hatten. 

Liam und ich waren zwar Musiker, hatten jedoch kaum Produktionserfahrung und dies wurde offensichtlich, als wir unsere Mixe mit denen von Jono und Paavo verglichen. Ihr Sound klang viel mehr nach Hi-Fi, einfach allgemein viel besser. Als Jonathan Dickins, A&R-Verantwortlicher in Sachen Dance bei Warner (und heute Manager von Adele) mich also fragte, ob ich Lust hätte, von meinem Lieblings-Trancetrack aller Zeiten einen Remix anzufertigen, wollte ich kein Risiko eingehen und fragte Jono und Paavo an, mir dabei zu helfen. Innerhalb von ein paar Wochen machten wir den Remix während unserer Freizeit und nannten ihn den "Above & Beyond"-Mix. Pete Tong liebte das Resultat, der Remix wurde zur Nummer eins in den englischen Clubcharts und von da an erhielten wir mehr Arbeit, vor allem von Leuten, die uns von Warner her kannten.

Einen Kontakt, den wir förderten war Madonnas Manager. Und als sie unseren Remix von "What It Feels Like For A Girl" mochte, den wir auf gut Glück angefertigt hatten, ging's plötzlich ziemlich schnell. Ich glaube, dass wir so gut harmonieren, weil wir ein komplettes Team sind, ohne es zuvor so geplant zu haben. Wir ergänzten uns von Beginn weg sehr gut und so hatten wir alle erforderlichen Fähigkeiten zusammen; Songs schreiben, das Produzieren, Online, alles technische und auch alles, was das Label angeht. Wir konnten unser Business also komplett unter uns drei aufteilen. Inzwischen ist unser Team natürlich deutlich grösser geworden und wir haben in allen Gebieten Support, den wir heutzutage auch benötigen. Dennoch sind wir drei nach wie vor stark involviert in allen Gebieten im Above & Beyond- und Anjunabeats-Reich und somit ist die ursprünglich Vision auch heute noch intakt. Jeder hat ein Team hinter sich auf dieser Ebene. In unserem Fall sieht man einfach mehr davon.

Paavo scheint es sehr zu mögen, während euren Sets liebevolle und poetische Nachrichten auf den L.E.D.-Screen zu schreiben. Woher kam diese Idee? 

Als wir vor ein paar Jahren unseren Live-Auftritt in Beirut planten, schauten wir uns um, was andere Bands so während ihren Shows tun. Wir schauten uns DVDs an und durchforsteten YouTube, um Ideen bezüglich der Showproduktion zu finden. Eine meiner Lieblingsbands ist R.E.M. und beim Start zu ihrer "Green"-Tour brachten sie diese clevere Sache mit den geschriebenen Sätzen auf dem Bildschirm. Wir kopierten die Idee für unsere Show in Beirut. Es war eine tolle Art, die Crowd zu begrüssen und sie in die Show mit einzubeziehen, noch bevor wir überhaupt zu spielen angefangen hatten. Anschliessend fand Paavo eine Möglichkeit, den Text live aus der DJ-Booth zu schreiben (die Texte in Beirut waren vorprogrammiert worden). In Brixton taten wir es dann bereits so und von da an wurde es ein fester Bestandteil unserer Shows.

Heute tun wir es alle, doch für Paavo un Jono ist es einfacher zu tun, weil sie blind schreiben können. Zudem hat es Paavo auf ein höheres Level gebracht. Er ist meist auf diesem ziemlich spirituellen Trip und schafft es,  zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Sätze reinzuhauen. Obwohl unsere Songs oft ergreifend, teilweise richtig traurig sind, bin ich persönlich auf der Bühne immer in Partystimmung. Ich werde dann rasch leichtsinnig und laufe Gefahr, etwas lustiges zu schreiben und so einen Fehler zu machen; deswegen ist es ganz gut, wenn Paavo das unter Kontrolle hat.

Above and Beyonds Grossbritannien-Group Therapy-Tour startet am 7. April. Weitere Infos findet ihr hier:  http://www.aboveandbeyond.nu/grouptherapyuk/

www.aboveandbeyond.nu/

www.myspace.com/aboveandbeyond

www.anjunabeats.com

 

Tickets für Cream @ Amnesia

Veröffentlicht 7 Feb, 2012. Hannah Davies

Tags: AmnesiaCreamIbiza FeatureIbiza NachrichtenInterview

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