Label Spotlight: ( djebali )

In unserem ersten Artikel der neuen Serie "Label Spotlight" knöpfen wir uns den französischen Jungstar Djebali und sein gleichnamiges Label vor.

Label Spotlight-  ( djebali )

Wer ist der Boss? Djebali

Seit wann existiert das Label? 2011

Wo ist die Label-Homebase? Paris, France

Anmerkungen: Nach bloss drei Releases (und einer vierten am Start) wird das vom namengebenden Mehdi Djebali geführten Label ( djebali ) bereits als eines der besten französischen Exporte in Sachen Deep und klassisch inspiriertem House angesehen. Die fehlende Erfahrung hat das Label, das mit der Nordost-USA-Housemucke so gar nicht dem französischen Standard-Elektrosound folgt, bisher mit sehr guten Kritiken zu der Handvoll Tracks, die darauf erschienen sind, mehr als wettgemacht. Mit diesen wenigen Informationen kontaktierten wir den Labelboss, um etwas mehr rauszufinden.  

Djebali über ( djebali )...

Du bist bereits bekannt mit Releases auf Imprints wie Freak 'n' Chic und Tuning Spork, beides bekannte Labels. Weshalb hast du nun dein eigenes lanciert? 



Nun, wenn du Produzent bist und du willst, dass deine Tracks auf traditionelle Weise erscheinen, so sendest du diese an die Plattenlabels und hoffst, dass sie irgendwo unter Vertrag genommen werden. Ich denke aber, dass viele Leute nicht realisieren, dass dieser Prozess sehr viel Zeit in Anspruch nehmen kann und somit bis zu einem Jahr verstreichen kann, nachdem der Track gemacht wurde, bis er endlich veröffentlicht wird.

Bei kleineren Labels kann es vielleicht zwar etwas schneller voran gehen, doch dann gibt es dafür nur eine digitale Release, kein Vinyl. Für mich ist es wichtig, dass die Musik, die ich produziere, wirklich fresh ist und sofort erscheint. So kam mir die Idee, mein eigenes Label zu gründen, damit ich meine Musik augenblicklich releasen kann. Ursprünglich war es mein Ziel, monatlich eine EP zu veröffentlichen. Doch die Tatsache ist, dass selbst ich das nicht so rasch hinkriege. Mit den Masterings und den Testpressungen geht das halt nicht so rasch...doch bisher geht's gut voran und wir bringen nun alle paar Monate eine Release raus. 


( djebali ) ist als Label für viele noch ziemlich neu. Wie würdest du das Ethos und die stilistische Richtung des Labels beschreiben?  



Nun, die Musik ist immer topaktuell und wiederspiegelt somit die momentane Stimmung. Wie bereits gesagt, wurden die Tracks erst vor weniger Zeit produziert. Es sind auch alles meine eigenen Tracks, produziert mit analogem Equipment und veröffentlicht ausschliesslich auf Vinyl. Ich bin ein grosser Vinylliebhaber und -Sammler, deswegen ist es für mich sehr wichtig, die Musik auf Vinyl zu releasen. Es fühlt sich auch toll an, seine eigene Musik in den Händen halten zu können!

Was den Style angeht, so könnte man ihn Deep House oder House nennen; ich versuche einfach, warmen und zeitlosen Sound zu kreieren. Ich werde oft inspiriert durch Old School House-Tracks, die selbst nach 10 oder 15 Jahren noch super klingen! Die Veröffentlichungen auf ( djebali ) sind keine Dancefloorknaller, sondern klingen subtiler und sind etwas für die Afterparty oder für Zuhause mit Freunden...wo sie hoffentlich gute Vibes in die Stube bringen.


( djebali 03 ) "Urban Posture / Sure Shot" ist die aktuellste Release. Für die Leute, die deine Arbeit noch nicht gut kennen, repräsentiert diese Release deinen Soundstil?  



Nun, Urban Posture ist eine housige Nummer, während Sure Shot eine deepere Angelenheit ist, mit Melodien und Harmonien. Und ja, die beiden Tracks definieren meinen Style ziemlich gut. Doch ( djebali 02 ) ist zum Beispiel etwas rauher und emotioneller. 

Ich habe aber auch auf anderen Labels Musik veröffentlicht und kann meinen Sound den Umständen entsprechend etwas anpassen - also entweder mit mehr Krachern oder noch deeper. Mein Track "Reputation", der auf Nordik Net rausgekommen ist, ist ein gutes Beispiel für meinen eher Dancefloor-orientierten Style. 

Letztes Jahr warst du in Ibiza und tratst im Space und im DC10 auf. Wie war das Erlebte im Vergleich zu den Erwartungen und hast du Pläne, wieder auf der Insel auflegen zu kommen? 
 


Ich war letzten Sommer de Facto zum ersten Mal überhaupt in Ibiza. Im Space spielte ich back2back mit meinem Kumpel Shonky bei der UGroove.TV-Party, das war ein tolles Erlebnis und eine echt lustige Fiesta! Bevor ich im DC10 bei der Circoloco spielte, hatten mir meine Freunde Dan Ghenacia und Dyed Soundorom (die beide davor schon im DC10 gespielt hatten) schon einiges davon erzählt und mich zu beruhigen versucht, doch ich war wirklich nervös!

Ich spielte als Erster auf der Terrace und die gesamte Pariser Crew war da. Der Vibe in diesem Club ist einfach einmalig! Seither bin ich sogar schon wieder dort aufgetreten, nämlich bei der Neujahrstagsparty 2012 - und auch diese war super! Natürlich waren diesmal mehr Locals da, doch die Bude war den ganzen Tag und die ganze Nacht voll! Ich hoffe echt, diesen Sommer wieder auf der Terrace spielen zu können.

Djebali über Dance Music...

Du bist als Künstler bei der Agentur Lola Ed dabei, die sehr bekannt ist für viele neue französische Talente. Viele von denen - inklusive dir - spielen noch Vinyl und CDs in den Clubs. Ist das traditionelle DJ-ing in Frankreich noch genauso bekannt wie vor zehn Jahren?

Während dem letzten Jahrzehnt hat die Anzahl DJs, die Vinyl spielen, deutlich abgenommen. Mit neuem Equipment wie Serato wurde es viel einfacher; man bringt seinen Computer und die beiden zu Serato gehörenden Platten mit und gut ist. Und dennoch gibt es wieder vermehrt DJs und Houseliebhaber, die gerne Vinylplatten kaufen. Plattenläden in Paris, Syncrophone zum Beispiel, laufen echt gut! Nur digital oder mit Serato zu spielen ist mir zu "automatisch", es gibt einfach kein besseres Gefühl, als im Plattenkoffer nach dem nächsten Track zu suchen. 
 


Wie würdest du die Elektronische Szene in Paris zurzeit bewerten? Gibt es irgendeinen Geheimtipp, den du uns verrätst? 

Die Szene verbessert sich in Paris momentan zusehends. Es gibt einerseits viele neue talentierte Acts und andererseits auch genauso viele Nachteulen, die der Bewegung folgen. Promotoren wie Share The Pool, Sundae, Concrete und Weather haben in den letzten Jahren angefangen, Undergroundpartys zu veranstalten, indem sie verschiedene Lokalitäten ausserhalb der bekannten Clubs dafür benutzen. Früher gab's nur am Freitag und Samstag Feten; heute geht's bereits am Donnerstag mit guten Partys los und am Sonntag gibt es Afterhours, bei denen es den ganzen Tag lang abgeht! 

Frankreich ist, was Dance Music angeht, bestbekannt für den Elektro der grossen Hallen. Nun sieht es aber so aus, als gäbe es auch hier wieder mehr Acts im undergroundigen Bereich. Gibt es diese Verschiebung wirklich oder meinen wir das nur? 

Ich denke, der Erfolg des Elektro hat bei vielen Interesse an der Dance-Szene geweckt und als Konsequenz daraus fanden auch viele Leute Gefallen an der Undergroundszene. Heutzutage wird Deep House und House in Paris wichtigsten Clubs wie Showcase und Cirque Bonheur gespielt, das war vor ein paar Jahren noch überhaupt nicht der Fall.

Im Rex Club wird ja seit Jahren qualitativ hochstehender House und Techno gespielt und nun entstehen viele neue und tolle Produzenten aus der Szene heraus. Doch das ist nicht nur in Frankreich so, ich glaube die globale Musikszene bewegt sich zurzeit allgemein in Richtung Deep House, während vor ein paar Jahren noch alles ziemlich Techno-inspiriert war. 
 


Im 2012 dreht sich alles um Vorhersagen (Armageddon usw). Letztes Jahr holte sich die Housemusik zweifelsohne die Dominanz zurück. Denkst du, das Genre wird während den nächsten 12 Monaten genau so tonangebend bleiben? 

Wenn die Lola Ed-Crew etwas damit zu tun hat, dann auf jeden Fall, ja! Das neue Label von Dan Ghenacia, Dyed Soundorom und Shonky, Apollonia genannt, wurde soeben lanciert und die erste Release von Shonky "The Minneapolis Touch" ist eine echt heisse Deep House-EP. Alle Tracks darauf sind echt stark und ich glaube, er wird damit viel Erfolg haben.

Die Jungs werden in den wichtigsten Clubs weltweit auch Apollonia-Showcases geben und ihren Sound so verbreiten. Ich glaube auch, dass der kommende Sommer für das DC10 noch erfolgreicher werden wird. Die Circoloco wurde mit jedem Jahr grösser und, obwohl nicht strikt auf House beschränkt, ist die Party für den Sound definitiv ein sehr wichtiger Pfeiler, um wachsen zu können und um DJs wie auch die Crowd gleichermassen weltweit zu beeinflussen.

Was meine Wenigkeit angeht, so habe ich soeben Remixe gemacht für Inland Knights (auf dem Label Homecoming Music) und für Nick Turner (auf Turquoise Blue). Daneben sind weitere Release für die ( djebali )-Series geplant, de Facto ist ( djebali 04 ) schon beinahe da. Und natürlich hoffe ich, dieses Jahr viel auflegen und die Deep House-Vibes verbreiten zu können; in Paris, Ibiza und anderswo. 

Geh mit Djebali auf Tuchfühlung...

facebook.com/djebalidj

djebali.com

 

lola-ed.com

Veröffentlicht 12 Feb, 2012. Martin Guttridge-Hewitt

Tags: InterviewLabel SpotlightMusik Nachrichten

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