Im Auge zu behalten: Cera Alba

Im ersten Artikel dieser neuen Serie lernen wir Cera Alba kennen, der seit kurzem bei Hot Creations unter Vertrag ist.

Wer: Coloursound-Resident Liam Jones, mit Künstlernamen Cera Alba, macht in der Undergroundszene von sich reden, seit er von Jamie Jones und Lee Foss' Label Hot Creations unter Vertrag genommen wurde. 2012 sieht nach einem sehr aufregenden Jahr für den Jungstar aus und Hannah Davies hat ihn sich fürs Interview unter den Nagel gerissen.

Du wurdest letztes Jahr von Hot Creations unter Vertrag genommen und erhieltest grossartigen Support von Künstlern wie Jamie Jones. Wie fühlt es sich an, wenn deine Musik solch grosse Beachtung findet?

Es ist ein tolles Gefühl! Speziell, wenn man Beachtung findet von DJs und Prodzuenten, die man jahrelang selbst bewundert hat. Es ist das Grösste, wenn du all deine Energie in etwas steckst, was du liebst und dann die Unterstützung bekommst von Leuten, die selbst seit Jahren Musik machen. Das ist etwas, was mich wirklich extrem pusht. Ich habe den Anspruch an mich selber, technisch hochstehende Musik zu produzieren und gute Produzenten merken immer, wenn Musik gut produziert wurde.

Erzähl uns, wie du zum Auflegen und Produzieren kamst...

Nun das geschah alles auf ganz natürliche Weise. Ich war schon immer ein Musikfan und als ich aufwuchs, merkte ich, dass ich an einer Art Popmusik ganz speziell interessiert war, nämlich jene, die eine House-Struktur enthielten. Ich erinnere mich, dass ich Adamski - Killer und Opus III - It's a Fine Day ganz toll fand, als ich jung war. Natürlich verstand ich damals noch nicht, warum genau ich die Mucke gut fand, doch es war wohl Schicksal, dass ich zum Sound der Clubs gefunden habe.

Mit dem Auflegen habe ich 2005 begonnen, doch damals war es bloss ein Hobby. 2007 habe ich dann mit dem Rumtüfteln angefangen; mit einfachen Programmen wie Adobe Audition habe ich Soundschnipsel auseinandergenommen und übereinandergelegt. Dann habe ich es mit Ableton versucht, doch ich muss gestehen, ich fand mich mit dieser Software nie wirklich zurecht. Viele Leute lieben es, doch für mich war es einfach nicht das Richtige. Also entschied ich mich, aufs Ganze zu gehen, anstatt nur halbe Sachen zu machen und belegte einen Anfängerkurs von Logic Pro und kaufte mir ein gebrauchtes Macbook. Wie sich herausstellte, war das die richtige Entscheidung und seither habe ich viel gelernt und meinen Sound mit verschiedenem Equipment weiterentwickelt.

2007 verbrachtest du den Sommer in Ibiza. Half dir das, als DJ bekannter zu werden?

Ich weiss es nicht, ob ich dadurch bekannter wurde, da ich denke, dass man als DJ eh kaum bekannt wird, wenn man nicht auch seine eigene Musik hat. Wenn man bei einer der bekannten Partys in Ibiza Resident-DJ ist, dann hilft das sicher, doch selbst das hat seine Grenzen. Ibiza inspirierte mich jedoch sehr und machte mir klar, dass ich Musik produzieren und auflegen will. Es ist ein geiles Gefühl, wenn du auf die Musik stösst, die du dein Leben lang gesucht hast. Wenn ich nun zurückschaue, frage ich mich, warum es ausgerechnet dort geschah, beim hören von diesen verrückten Minimaltracks, doch es ist Tatsache. Einer dieser inspirierenden Momente war definitiv, als mir im DC10 nachmittags um drei Marc Houles "Bay Of Figs" um die Ohren geschmettert wurde. 

Die Gretchenfrage...Laptop oder Vinyl?

Ich glaube es muss nicht zwingend Laptop ODER Vinyl sein. Ich glaube, es ist unrealistisch, heutzutage nur Vinyl zu spielen und deine Sets leiden auch darunter. Ich liebe Vinyl und es ist etwas grossartiges, eine alte Scheibe zu finden, die noch nicht digital released wurde und damit kann ein Set auch super angereichert werden.

Ich benutze beides (also Laptop und Vinyl) etwa gleich stark. Ich verwende Traktor Scratch und habe gleichzeitig auch immer eine Handvoll von meinen liebsten Vinylplatten dabei. Das heisst also, dass ich einerseits immer meine neusten Produktionen und auch die neusten Tracks von meinen Freunden digital dabeihabe und gleichzeitig aber auch zum Vinyl spielen komme. Der Gebrauch eines Laptops gibt den Gigs eine komplett neue Dimension. Eines Tages möchte ich wirklich einmal live spielen und alle meine eigenen Produktionen via Ableton spielen und dazu einige externe Instrumente wie eine Drum Machine und einen Synthesizer dazunehmen, um der Performance noch mehr Tiefe zu verleihen. Ich muss aber auch erwähnen, dass ich DJs nicht ausstehen kann, die Laptops benutzen, um die Tracks abzugleichen und sich so das Leben einfach machen. Das ist für mich überhaupt keine Demonstration von Können und deswegen habe ich keinen Respekt für Leute, die so auflegen. Damit meine ich aber nicht Künstler, die live spielen wie Glimpse oder Subb-An. 

Wie denkst du über all die neue Technologie, die heutzutage für DJs und Produzenten zur Verfügung steht?

Nun es gibt da einige herausragende Entwicklungen wie zum Beispiel die "Maschine" von NI Native Instruments. Mit dieser hat man wieder das Gefühl, ein Instrument anzufassen. Aber um ehrlich zu sein, gibt es so viele neue Geräte, dass man den Überblick schnell verliert und ich kümmere mich nicht sosehr darum. Ich glaube auch, du bist nur so gut, wie es dein Wissen über dein momentanes Equipment ist. Erst wenn ich etwas neues oder einzigartiges machen will, dass ich mit meiner aktuellen Ausrüstung nicht hinkriege, schaue ich mich danach um, welche Geräte mich nun weiterbringen könnten. 

Welche DJs und Produzenten stechen für dich heraus?

Es gibt da einige Jungs, die einfach in einer anderen Liga spielen, als alle anderen. Ich bin zurzeit hin und weg von "SBTRKT" und meiner Meinung nach ist er der momentan beste Produzent auf dem Planeten. Dann mag ich auch Maceo Plex, Daniel Bortz, DJ Yellow, Julie Bashmore und DJ T, sie alle produzieren aktuell fantastische Musik. Meine beiden Lieblingsproduzenten sind wohl Vincenzo und John Tejada, da die beiden schon seit mehr als einem Jahrzehnt Musik machen. In meinen Sets spiele ich nach wie vor gerne alte Sachen von ihnen. 

Ich habe gelesen, dass Kerri Chandlers "Bar A Thym" dich zum auflegen inspiriert hat. Woher sonst holst du dir die Inspiration für deine Tracks? 

Die Inspiration für meine Tracks kommt von überallher; es kann im Auto passieren oder in der Dusche oder wenn ich gerade ins Bett gehe. Normalerweise fällt mir die Bassline oder die Hauptmelodie einfach ein und ich nehme sie dann mit meinem Handy auf und komme dann im Studio darauf zurück. Alternativ kann mich auch ein grossartiger Track inspirieren. Kerri Chandler ist eine riesige Inspiration, seine Musik personifiziert House Musik, und das schon seit 20 Jahren!

Dein Remix von Shaman EP ist im Januar auf Beatport erschienen. Ich liebe es, wie du diesem eigentlich sehr deepen und undergroundigen Sound einen etwas "leichteren" Touch verleihst. Wie kommt das Resultat bisher so an?

Danke für das Kompliment, es freut mich, wenn der Track gefällt. Bisher habe ich viele gute Feedbacks erhalten, von Robert James, Coat of Arms, Eats Everything, Richy Ahmed, Luca C, T Boy, Waifs & Strays, Huxley und Moodymanc. Ich kann mich also nicht beklagen.

Gibt es neue Releases oder Kollaborationen in der Pipeline, von denen du uns erzählen kannst? 

Ja, ich habe tatsächlich einiges in der Pipeline. Gegen Ende März kommt auf Turquoise Blue eine EP raus mit dem Namen "Save The Day", inklusive Remixen von Droog vs. Inxec und Julien Sandre. Dann erscheint auf Illusion Recordings ebenfalls eine EP genannt "Can't Let You Go" mit Remixen von Alex Agore, Lerosa und Tom Craven/James Cotterill. Später wird dann noch eine weitere EP erscheinen, auf Composite Records. Dann habe ich ein Projekt einer Zweimann-Band gestartet und das ist sehr aufregend, doch mehr verrate ich noch nicht darüber. Zu guter Letzt: Augen auf für meinen neusten Remix von Miguel Puente - Why Shouldn't I? (Cera Alba Remix), der kommt im März auf Digital Delight raus. 

Und gibt es irgendwelche aufregende Gigs in nächster Zeit?

Oh ja, da geht einiges! Am 2. und 3. März werde ich in Porto, Portugal auftreten. am 10. März spiele ich dann in Bornemouth bei der Get Satisfied mit Robert James und Coat of Arms, darauf freue ich mich wirklich sehr. Dann geht's ab nach Stockholm, dort lege ich am 23. März bei einer Fete mit DJ Yellow auf. Und das Beste zum Schluss: Ich wurde soeben zum Line-Up des Hideout Festivals in Kroatien hinzugefügt! Hurra!

Wo:

10. März: Get Satisfied at The Old Firestation - Bournemouth (GB)

23. März: 2.35:1 presents DJ Yellow & Cera Alba - Berns Salonger (Schweden)

29. Juni: Hideout Festival 2012 - Zrce Beach (Kroatien)


www.soundcloud.com/ceraalba

www.beatport.com/artist/cera-alba/145685

www.theillusionagency.com/

Veröffentlicht 20 Feb, 2012. Hannah Davies
Thanks to Mark Pritchard - Artwork!

Tags: Ibiza NachrichtenInterview

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