Jahrelang wurde der Soundtrack Ibizas von House, Trance und Techno geprägt. Doch wie es auf der Insel so üblich ist, ändern sich die Dinge. Am Sonntag meldete sich im Ushuaïa Ibiza ein weiteres Genre zu Wort…
Als wir ankamen, begann die Sonne gerade hinter Playa d'en Bossa zu versinken und die ersten Töne von Cardi Bs I Like It hallten durch die Venue.
Um mich herum tanzten und sangen bereits Gruppen von Freunden. Noch bevor ich die Mitte der Crowd erreicht hatte, war klar, dass dies kein typischer Clubbesuch werden würde. Scheinbar hatte niemand Lust, stillzustehen.
Als jemand, der beim bloßen Gedanken an Reggaeton manchmal die Augen verdreht, musste ich feststellen, dass ich viel mehr Liedtexte kannte, als ich zuvor zugeben wollte. Innerhalb weniger Minuten waren alle Pläne, das Ganze aus sicherer Entfernung zu beobachten, dahin.

Stattdessen stand ich Schulter an Schulter mit Fremden, sang mit und wurde von neuen Tanzflächenfreunden enthusiastisch zum Mitmachen aufgefordert (trotz meiner nicht ganz perfekten Spanischkenntnisse!). Dieser Gemeinschaftsgeist wurde zu einem wiederkehrenden Thema des Abends.
Pardon My Spanish, das Gemeinschaftsprojekt von J Balvin & DJ Snake, kam mit einem Vorhaben ins Ushuaïa, das über herkömmliche DJ-Sets oder Live-Konzerte hinausging.
Das Event, eine Mischung aus Reggaeton, Latin-Hits, Trap und elektronischer Musik, bewegte sich irgendwo zwischen Festival, Stadionkonzert und Ibiza-Party. Ambitioniert, ja, aber es hat funktioniert.
Als DJ Snake sein Set richtig begonnen hatte, feierte die Crowd bereits auf Hochtouren. J Balvin, der den Laufsteg entlangschritt, welcher sich weit ins Publikum erstreckte, rief eine sofortige Reaktion hervor.

Eine Gruppe junger Spanier neben mir brach in Begeisterung aus, rappte jedes Wort lauthals in Richtung Bühne und animierte alle um sie herum zum Mitmachen. Ähnliche Szenen spielten sich überall in der Crowd ab.
Den ganzen Abend über wechselte das Format zwischen Live-Gesangsdarbietungen und DJ Snake an den Turntables. Anstatt den Ablauf zu stören, sorgte diese Kombination für ein hohes Energieniveau und ermöglichte es beiden Künstlern, ihr Können unter Beweis zu stellen.
Balvin präsentierte eine Auswahl der Publikumsfavoriten, während DJ Snake mühelos zwischen spanischsprachiger und elektronischer Musik wechselte, gemischt mit einigen Ibiza-Klassikern. Show Me Love von Robin S erwies sich als besonders beliebt und zog einen riesigen Chor an, als die Dunkelheit über dem Ushuaïa hereinbrach.

Als das Tageslicht schwand, durchdrangen Laser den Nachthimmel, Feuerblitze erhellten die Menge, und das Ausmaß der Inszenierung war nicht mehr zu übersehen. Nur wenige Venues auf der Insel sind für Events dieser Größenordnung ausgestattet.
Die Pardon My Spanish hat genau verdeutlicht, warum das Ushuaïa nach wie vor ein so natürlicher Ort für groß angelegte Open-Air-Events ist.
Open-Air-Umgebungen haben schon immer zum Reiz Ibizas beigetragen, doch dieses Publikum war anders. Freundesgruppen, Paare, Erstbesucher und langjährige Inselbewohner kamen den ganzen Abend über zusammen.

Spanische Stimmen dominierten zwar viele der Mitsing-Aktionen, im Publikum waren jedoch Akzente aus ganz Europa, den Vereinigten Staaten und darüber hinaus zu hören. Alle schienen dasselbe Ziel zu verfolgen: die Musik zu genießen.
Während elektronische Musik weiterhin einen Großteil der Gespräche über das Nachtleben Ibizas dominiert, zeigen Partys wie die Pardon My Spanish, dass es auch ein wachsendes Interesse an etwas anderem gibt.
Reggaeton gehört seit vielen Jahren zum Soundtrack der Insel und ist in den Sommermonaten überall zu hören – in Beachclubs, Bars und aus Autoradios. Das Ushuaïa bietet nun eine Bühne, die der weltweiten Popularität des Genres gerecht wird.

Nach einem Abend inmitten dieser Crowd bin ich, trotz meiner anfänglichen Skepsis, von dieser kreativen Entscheidung vollends überzeugt. Legt eure Vorurteile ab und gebt den Leuten, was sie wollen.
An zwei Sonntagen im Juni verwandelten J Balvin und DJ Snake das Ushuaïa in einen Ort, der sich eher wie ein Musikfestival als wie eine traditionelle Ibiza-Party anfühlte. Dem großen Erfolg nach zu urteilen, ist da eindeutig noch Luft nach oben.
Die Präsenz des Reggaeton auf der Insel wächst stetig und das Ushuaïa scheint perfekt positioniert zu sein, um diese Entwicklung anzuführen.

Als nächstes tritt der Latin-Superstar Ozuna am Dienstag, den 30. Juni im Ushuaïa Ibiza auf. Seine Closingparty bietet Reggaeton-Fans die letzte Gelegenheit im Jahr 2026 einen der größten Namen des Genres unter freiem Himmel zu erleben – und das, obwohl Ibiza sich immer mehr wie sein natürliches Zuhause anfühlt.
Tickets und weitere Informationen findet ihr auf dieser Seite oder in unserem Partykalender.
FOTOS | von Arno Partissimo

