Die Mira Lounge liegt versteckt in einer unscheinbaren Wohnstraße neben der Kunstgalerie Gathering London und ist ein Ort, den man wohl kaum zufällig entdecken würde. Wer sie aber aufsucht, wird mit einem der außergewöhnlichsten neuen kulinarischen Erlebnisse Ibizas belohnt.
Pink ist eindeutig die dominierende Farbe. Fuchsiafarbene Akzente erstrahlen neben sanfteren Champagnertönen, während Bambusdächer und verspielte Leuchten aus mundgeblasenem Glas der Terrasse eine stilvolle und zugleich erfrischend exzentrische Persönlichkeit verleihen.

Es überrascht daher nicht, dass uns die Inhaberin Stevie Benanty in ihrem typischen Stil begrüßte: Ihr leuchtend rosafarbenes Kleid passte perfekt zur Umgebung. Vielen ist sie bereits durch das Stevie alla Bottega in Santa Gertrudis bekannt. Nun hat sie ein Lokal geschaffen, das sich gleichermaßen an Inselbewohner wie an Urlauber richtet und vorhat, sich zu einem beliebten Treffpunkt für einen Cocktail und einen kleinen Imbiss oder einen Sunset-Burger und ein kühles Bier nach einem Tag am Strand zu entwickeln.

Von links nach rechts: ein Bloody Mary, eine Margherita und ein Chelo Vodka mit Reis.
Zunächst einmal gab es eine Runde Cocktails, um unseren Appetit anzuregen. Neben bekannten Klassikern wagten sich die hauseigenen Kreationen in Richtung dessen, was die Bar als „flüssige Gastronomie“ bezeichnet, und umfassten einfallsreiche Drinks, die ebenso faszinierend wie köstlich waren.
Weniger dickflüssig und durchscheinender als die klassische Bloody Mary, war sie die ungewöhnlichste Variante der Auswahl. Was ihr an Farbe fehlte, machte sie durch ihren vielschichtigen Geschmack, der durch mit Zitrone aromatisiertes Chilisalz noch verstärkt wurde, mehr als wett. Diese rauchige Variante beseitigte zudem den einzigen negativen Nebeneffekt, der häufig mit diesem Getränk verbunden wird: den anhaltenden Suppengeruch im Atem!
Der kunstvoll hergestellte Chelo-Wodka ist ein Meisterwerk der Mixologie.

Die Küche scheut sich nicht, über den mediterranen Tellerrand hinauszuschauen. Der Aprikosensalat ist vom thailändischen Papayasalat inspiriert und vereint süße Früchte mit duftendem Zitronengras, Koriander und einer sanften Schärfe von Chili.

Auf Drängen unseres Gastgebers mussten wir das Stargericht des Restaurants probieren. Die Jakobsmuscheln mit Zitronengrasschaum waren zart und fein, jeder Bissen wurde durch die großzügige Garnierung mit frischem Koriander veredelt.

Chicken Karaage (frittiertes Hähnchen nach japanischer Art)
Wir waren begeistert von diesem ungewöhnlichen Gericht mit seiner zarten Konsistenz und der Kimchi-Sauce, die uns dazu brachte, uns die Finger abzulecken. Die Hähnchenflügel waren so groß, dass wir uns vor dem Essen fragten, ob es sich vielleicht um Kebab handelte.

Dann kam der Burger.
Serviert in einem unglaublich weichen Brötchen, inspiriert von vietnamesischem Bánh Bao, vereinte es saftiges Rindfleisch mit einem aromatischen Chutney zu einem wahren Genuss. Die dazu gereichten Süßkartoffelpommes waren ebenso beeindruckend, vor allem mit der unwiderstehlichen Kimchi-Mayonnaise. Eine gewagte Behauptung: Dies könnte tatsächlich ein Anwärter auf den Titel des besten Gerichts der Insel sein – und die Konkurrenz ist groß.
Der Autor wird demnächst zurückkehren, um außerhalb der Arbeitszeit weitere Nachforschungen anzustellen und zu überprüfen, ob diese gewagte Behauptung Bestand hat. Ich bin absolut zuversichtlich.

DJ Joy wählt und legt obskure, experimentelle elektronische Musik auf Vinyl auf, bequem im Schneidersitz auf einem Sofa – die sogenannten „Sofa Sessions“ (andere DJs spielen im Wechsel). Der Stil ist absolut balearisch. Ehrlich gesagt, ist es unmöglich, genau zu beschreiben, welche Musik gespielt wurde, aber wenn ihr uns sagen würdet, dass Nightmares On Wax oder Mr. Scruff dabei waren, klingt das absolut plausibel.

Die Desserts der Mira Lounge sind einfach unübertroffen. Das vegane Dessert (links), gegrillte Ananas mit Zitronengras-Ingwer-Eis, war eine Offenbarung. Die angebratene Frucht hat den Geschmack perfekt unterstrichen. Die dazugehörige Schokoladen-Opera mit Ricotta-Eis war genauso köstlich. Keine Frage: Diese hausgemachten Leckereien werden mit viel Liebe zubereitet.
Unser Fazit: Ob es nun um einfallsreiche Cocktails, Balearic-Beats oder den vielleicht besten Burger der Insel geht, die Mira Lounge ist einen Abstecher wert, bevor man sich vom Strand auf den Weg nach Hause macht.
