Vor Smartphones, Online-Buchungen und sozialen Medien erforderte die Entdeckung Ibizas etwas mehr Aufwand.
In den 1970er Jahren verlief der Tourismus auf der Insel deutlich langsamer als heute. Die Besucher kamen auf der Suche nach Sonne, Freiheit und einem einfacheren Lebensstil, angezogen von ruhigen Stränden, weißgetünchten Dörfern und einer unkonventionellen Atmosphäre, die sich fernab von Nordeuropa anfühlte.
Während Ferienorte wie San Antonio, Playa d'en Bossa und Santa Eulalia stetig expandierten, blieben viele Straßen unbefestigt und große Küstenabschnitte von der Bebauung unberührt.
Ibiza begann sich als mediterranes Urlaubsziel zu etablieren. Die erste Welle von Hotels, Apartmentanlagen und Pauschalreisen brachte immer mehr Besucher aus Großbritannien, Deutschland und Skandinavien, viele von ihnen reisten mit preisgünstigen Charterflügen an, die über Reiseveranstalter gebucht wurden.
Trotz des zunehmenden Tourismus sind verlässliche Informationen über die Insel jedoch erstaunlich selten.
In diesem Umfeld entstand Ibiza Spotlight.

1976 gründeten der britische Unternehmer Norman Skinner und seine Frau das, was zu einer der bekanntesten Publikationen der Insel werden sollte. Nach einer erfolgreichen Karriere in der Unternehmensberatung und im Verlagswesen in Großbritannien, bevor er nach Ibiza zog, erkannte Norman ein einfaches Problem: Besucher benötigten praktische und verlässliche Informationen, um ihren Urlaub optimal zu gestalten.

Die Lösung war ein gedruckter Reiseführer, der Karten, Informationen zur Umgebung, Veranstaltungshinweise und wichtige Urlaubstipps enthielt. Was heute selbstverständlich erscheint, war Mitte der 1970er-Jahre alles andere als das.

Eine der größten Stärken des Reiseführers war seine Kartografie. Genaue Karten von Ibiza waren schwer zu beschaffen, und Norman beschloss, selbst welche zu erstellen. Auf der Suche nach verlässlichen Informationen soll er die Straßen der Stadt mit einem Messrad von Hand vermessen und mühsam Entfernungen und Straßenverläufe festgehalten haben – zu einer Zeit, als digitale Kartografie noch Jahrzehnte entfernt war.
Die so entstandenen Karten erfreuten sich enormer Beliebtheit. Sie deckten Ibiza und später auch Formentera ab und erwiesen sich sowohl für Besucher als auch für Tourismusfachleute als unschätzbar wertvoll. Reiseveranstalter wie Thomson und Neckermann erwarben die Vertriebsrechte, und Urlauber sah man häufig mit einer Spotlight-Karte in der Hand durch die Städte der Insel schlendern.

Der Leitfaden wurde schnell zu einer Art Bibel für die Reiseveranstalter. Norman hatte klare Vorstellungen davon, wie ein guter Reiseführer auszusehen hatte, und erinnerte die Mitarbeiter oft daran: „Sie sind verantwortlich für die zwei wichtigsten Wochen im Jahr der Touristen.“
Er mochte auch einen anderen Ausdruck: „Das Erlebnis verkaufen, nicht die Wurst.“ Die Philosophie war einfach. Lange bevor die ersten Besucher auf die Insel kamen, bestand die Aufgabe des Reiseführers darin, ein Bild von Ibiza zu zeichnen, das die Fantasie der Leser beflügeln sollte, die die kalten nordeuropäischen Winter ertragen mussten: Sonnenschein, Meer, Freiheit und die Aussicht auf eine Auszeit. Fünfzig Jahre später ist dieses Prinzip immer noch bemerkenswert aktuell.
Über zwei Jahrzehnte lang erschien Ibiza Spotlight ausschließlich in gedruckter Form. Als das Internet Ende der 1990er-Jahre die Reisebranche grundlegend veränderte, bereitete sich die Publikation auf ihre nächste Transformation vor.
Diese Geschichte (die in Teil 2 behandelt wird) beginnt im Jahr 1999.
