Mit seiner unverwechselbaren Mischung aus neoklassischen, Ambient- und zeitgenössischen Sounds feierte das Suau Festival diesen Monat ein vielbeachtetes Comeback auf Ibiza. Vom 3. bis 5. Juli verwandelte das Festival drei außergewöhnliche Orte – das Auditorium Es Caló de s'Oli, den Baluard de Sant Pere in Dalt Vila und die beeindruckende Kulisse von Sa Pedrera in San Antonio – in intime Konzertbereiche.
Die diesjährige Ausgabe, organisiert von Eivissa Escènica, präsentierte das lokale Projekt Felt Oxytocin, die polnische Cellistin und Komponistin Dobrawa Czocher sowie das deutsche Elektronik-Duo Two Lanes. Leider konnten wir die Eröffnungsvorstellung von Felt Oxytocin nicht besuchen, haben es aber zu den beiden letztgenannten Konzerten geschafft.
Der Rahmen hätte kaum passender sein können. Das Konzert fand im Baluard de Sant Pere – innerhalb der Mauern von Dalt Vila – statt, wo jahrhundertealte Steinbefestigungen eine eindrucksvolle Kulisse für einen Abend mit zeitgenössischer neoklassischer Musik bildeten. Als das Tageslicht schwand und warmes Bühnenlicht die alten Mauern erhellte, wirkte die Atmosphäre gleichermaßen intim und monumental.

Czocher ist eine versierte Musikerin, die an der renommierten Chopin-Musikuniversität studierte und mit führenden Orchestern auftrat, bevor sie einen experimentelleren Weg als Komponistin und Solokünstlerin einschlug.
Natalia Czekała begleitete sie auf der Bühne und erweiterte mit ihren Synthesizern und Keyboards die Klangmöglichkeiten des Cellos weit über dessen traditionelle Rolle hinaus. Gemeinsam erfüllte das Duo die Festung mit vielschichtigen Cello-, Elektronik- und subtilen Gesangsklängen und wechselte nahtlos zwischen Momenten minimalistischer Zurückhaltung und tief empfundener emotionaler Intensität.
Das Publikum folgte bereitwillig. Wiederholte Cello-Phrasen, elektronische Klänge und gesampelte Stimmen verschmolzen zu einer Musik, die zwischen Stille und Intensität changierte. Verstärkt durch die Akustik der historischen Venue, war das Ergebnis gleichermaßen kraftvoll und atmosphärisch.
Das Suau Festival fand am darauffolgenden Abend im eindrucksvollen Steinbruch Sa Pedrera am Stadtrand von San Antonio seinen krönenden Abschluss, wo das deutsche Duo Two Lanes für ein gelungenes Finale sorgte. Das von den Brüdern Leo und Rafa gegründete Projekt vereint akustisches Klavier, analoge Synthesizer und minimalistische Elektronik und bewegt sich musikalisch zwischen Ambient, Neoklassizismus und melodischem Techno.

Die Kulisse hätte kaum spektakulärer sein können. Als die Sonne unterging, erstrahlten die gewaltigen Wände des Steinbruchs in Gold-, Kupfer- und satten Rottönen und schufen ein natürliches Amphitheater, das sich von herkömmlichen Konzerthallen deutlich unterschied. Vor dieser außergewöhnlichen Kulisse erschufen Two Lanes nach und nach eine Klangwelt, die gleichermaßen emotional und atmosphärisch war.

Was als Konzert mit Sitzplätzen begann, entwickelte sich allmählich zu einem gemeinschaftlichen Erlebnis. Als die Aufführung an Fahrt gewann, erhoben sich die Zuschauer von ihren Plätzen und strömten in den offenen Bereich im hinteren Teil des Saals, wo unter dem Abendhimmel spontan eine Tanzfläche entstand. Schon bald bewegte sich ein Großteil der Menge gemeinsam, wodurch die Grenze zwischen Konzert und Feier verschwamm.
Es war ein perfektes Beispiel für die Anziehungskraft des Suau Festivals. Verwurzelt in aufmerksamem Zuhören und musikalischer Erkundung, aber gleichzeitig stets offen für Spontaneität, bewies das Festival einmal mehr, dass Ibizas Kulturlandschaft weit über seinen Ruf als Clubbingziel hinausreicht.
Seid gespannt auf die Ausgabe im nächsten Jahr.
Text von Stefano Larricio und Will McKenzie
